Berlin (ots) –

Quelle: (ots/Berliner Korrespondentenbüro)

Deutsche Unternehmen, die im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft
2022 in Katar Aufträge übernommen haben, klagen über die
Zahlungsmoral des Golfstaates. Rechtsanwälte und Unternehmensberater
bemühen sich immer wieder, Unternehmer bei der Durchsetzung ihrer
Forderungen zu unterstützen. Allerdings bleibt dieses oft ohne
Erfolg.

Einer der betroffenen deutschen Unternehmer ist Holger Thorsten
Schubart, Geschäftsführer der The Principal Unternehmensgruppe. Er
schloss einen umfangreichen Dienstleistungsvertrag mit dem
Herrscherhaus ab. Für die Vermittlung einer Finanzierung eines
milliardenschweren Großprojekts auf Basis katarischer Bankgarantien
in der Hauptstadt Doha (Booroq City) war mit der Herrscherfamilie
eine Provision vertraglich vereinbart worden. Diese wurde bis heute
nicht bezahlt. Auch nach mehrmaligen Versuchen einer persönlichen
Aussprache, was in dieser Region oft eher zum Ziel führt als
juristische Schritte, sieht sich Schubart betrogen, da Gelder bis
heute ausblieben.

Rechtzeitig vor der Fußball-WM 2022 in Katar sollte in der
Hauptstadt Doha ein riesiges Einkaufszentrum errichtet werden. Für
die Investition von immerhin 2,66 Milliarden Euro war eine
Finanzierung nötig. Sicherheiten hierfür sollten Garantien
katarischer Banken sein. Schubart vereinbarte mit Scheich Nayef Bin
Suhaim Bin Hamad Al Thani, damals Minister ohne Portefeuille, dass er
für die Vermittlung der Finanzierung und weitere Dienstleistungen
zwei Prozent als Provision erhalten würde. Der Vertrag wurde am 3.
März 2014 geschlossen und sah ausdrücklich vor, dass mit der
Bereitstellung der Finanzierung der Vertrag erfüllt sei. Selbst wenn
die Shopping Mall doch nicht gebaut werden würde, steht der The
Principal Unternehmensgruppe eine Break-Up-Fee in Höhe von 0,2
Prozent zu. Schubart erfüllte seinen Teil des Vertrages, Katar
lieferte bis heute die Bankgarantien nicht. Das von Schubart
vermittelte Schweizer Konsortium ist sogar bis heute immer noch
grundsätzlich bereit, die Finanzierung zu übernehmen.

Der Vertrag wurde damals notariell beglaubigt, die Echtheit vom
Landgericht Berlin mit Apostille bestätigt und selbst vom Auswärtigen
Amt überbeglaubigt. Schubart stellte am 25. Januar 2016 Scheich Al
Thani wie vereinbart die entsprechende Rechnung über seine Provision
in Höhe von 53,2 Millionen Euro, welche ebenfalls vom Präsidenten des
Landgerichts Berlin als auch vom Bundesverwaltungsamt im Auftrag des
Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland zur Legalisation
unterzeichnet wurde. Vor einer Zahlung drückt sich der katarische
Vertragspartner jedoch bis heute. Weder die Herrscherfamilie in Doha
selbst noch der katarische Botschafter in Berlin, Saoud bin
Abdulrahman Al Thani, selbst Mitglied der Herrscherfamilie,
antwortete auf Schubarts Nachfragen.

Wiederholt müssen deutsche Unternehmen in Katar ähnliche
Erfahrungen machen. Immer wieder setzten deutsche Baufirmen ihre
Projekte buchstäblich in den Sand. Ihre Chancen auf Bezahlung offener
Rechnungen sind nicht gut, gleichgültig ob die Forderungen von der
Gegenseite bestritten oder unbestritten sind. Manche Unternehmen
liefern nur noch gegen Vorkasse. Darüber hinaus sind die
Arbeitsbedingungen für die Bauarbeiter auf katarischen Baustellen
menschenunwürdig, wie Schubart bei Besuchen in Katar selber
feststellen konnte und anmahnte. Daraufhin angesprochen, reagierte
die katarische Seite abweisend, man möge sich aus diesen Dingen
heraushalten. Dies seien eben die ortsüblichen Bedingungen. Außerdem
habe sich die Lage mittlerweile verbessert. Vielleicht sei auch
dieses Eintreten für die Menschenrechte ein Grund, warum er bis heute
nicht bezahlt worden sei, mutmaßt Schubart.

Deutsche Produkte und Dienstleistungen genießen in Katar zwar
hohes Ansehen. Dennoch ist es wegen harter Konkurrenz, langwieriger
Entscheidungswege und vor allem wegen der schleppenden
Zahlungsabwicklung oft schwierig, Geschäfte zu machen.
Rechtsstreitigkeiten können sich über viele Jahre hinziehen, weshalb
außergerichtliche Lösungen oft erstrebenswerter erscheinen. In
manchen Fällen müssen Firmen trotz Vertragserfüllung sogar auf Gelder
verzichten. Dazu ist Holger Thorsten Schubart jedoch nicht weiter
bereit: „Katar ist kein verlässlicher Partner. Die Arroganz gegenüber
ausländischen Vertragspartnern oder Bauarbeitern und das mangelnde
Verständnis für die Rechte Dritter lassen Katar für die Austragung
der Fußball WM ’22 völlig ungeeignet erscheinen.“ Außerdem, so
Schubart, würden Arbeitsplätze und Investitionen in Deutschland durch
die schlechte Zahlungsmoral der Kataris gefährdet.

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Heiko Schulze
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