shutterstock_1259688451-1200.jpgHamburg (ots) – In einer von vielen Medien 1:1 übernommenen Pressemeldung (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/ministerin-giffey-stellt-zahlen-zu-weiblicher-genitalverstuemmelung-vor/156804#:~:text=Januar%202020%20in%20Kraft%20getreten,Kenntnisse%20%C3%BCber%20weibliche%20Genitalverst%C3%BCmmelung%20besitzen.) behauptete SPD-Familienministerin Franziska Giffey im Sommer 2020: „66.707 Frauen mussten hierzulande eine solche Menschenrechtsverletzung (Anm: Genitalverstümmelung) erleiden, hat eine neue Untersuchung ergeben…“ Die TaskForce hat nachgefragt und resümiert: Es handelt sich hier schlichtweg um eine

Falsche Tatsachenbehauptung.

Der Öffentlichkeit wird suggeriert, es sei eine valide Zahl, die im Zuge einer belastbaren Untersuchung generiert wurde. Das ist nicht der Fall: Es gibt in Deutschland nach wie vor keine systematische Datenerhebung, um die Zahl betroffener Frauen verlässlich beziffern zu können. Vielmehr – so antwortete das BMSFSJ auf Nachfrage der TaskForce – seien im Zuge „interner Berechnungen“ einfach die Prävalenzzahlen in den Herkunftsländern auf die nach Deutschland eingewanderten Migranten übertragen worden. Wenn z.B. in Liberia landesweit die Hälfte der weiblichen Bevölkerung der Verstümmelung unterworfen wird, so geht das Ministerium davon aus, dass auch hierzulande 50% der Frauen betroffen sind. Dies muss jedoch als völlig

Falsche Methodik

bewertet werden, denn die ethnische Zusammensetzung der Migranten kann von der im Herkunftsland massiv abweichen und die Zahl der Verstümmelungsopfer entsprechend höher oder niedriger ausfallen. Überhaupt ist für viele Länder die durchschnittliche Verstümmelungsrate kaum aussagekräftig, da die Unterschiede innerhalb des Landes z.T. so extrem sind (https://www.taskforcefgm.de/wp-content/uploads/FGM-Praevelanz_innerhalb-ausgesuchter-Laender.pdf), dass für eine Bewertung der tatsächlichen Gefährdung die Regionen einzeln zu betrachten sind. So wird z.B. für Kenia eine Verstümmelungsrate von 21% angegeben, beträgt aber in der gesamten Region „North-Eastern“ fast 98%. In Jemen beträgt die Verstümmelungsrate in der Hälfte des Landes unter 10%, während sie in der anderen Hälfte 85% erreicht.

„Aus diesem Grunde können wir uns lediglich auf eine Zahl verlassen, und zwar die Gesamtzahl aller Mädchen und Frauen aus den Verstümmelungskulturen. Diese Zahl beschreibt die maximale Anzahl an Verstümmelungsopfern,“ erklärt die TaskForce-Gründerin Ines Laufer. „Das gleiche gilt, wenn wir eine Vorstellung der gefährdeten minderjährigen Mädchen erhalten wollen.“

Die tatsächliche Zahl der in Deutschland lebenden Mädchen und Frauen aus Ländern, in denen Genitalverstümmelungen entweder landesweit oder gebietsweise oft flächendeckend verübt werden, übersteigt die vom BMFSFJ „berechnete Zahl“ um ein Vielfaches (https://www.taskforcefgm.de/wp-content/uploads/bedrohte_betroffeneMaedchen-2019.pdf):

Mehr als 330.000 Mädchen und Frauen aus Risikoländern, davon knapp 22.000 Minderjährige aus Hochrisikoländern mit Verstümmelungsraten ab 75%

Mehr als eine Viertelmillion potentieller Opfer und über 20.000 Mädchen, die als hochgefährdet gelten müssen, da ihre Familien aus einem Hochrisikoland stammen leben in Deutschland! An dieser Gefährdung ändert auch – entgegen der Suggestionen des BMFSFJ – die Geburt der Kinder in Deutschland nichts, im Gegenteil: Es gibt keine belastbaren Belege für die Annahme, die Mädchen seien weniger gefährdet, nur weil sie in Deutschland geboren wurden. Selbst für Mädchen aus binationalen Partnerschaften – die zu den genannten Zahlen noch hinzuzurechnen sind – muss eine Gefährdung konstatiert werden, wie viele der in diesem Zusammenhang geführten Gerichtsverfahren (https://www.taskforcefgm.de/2010/03/gerichtsbeschluesse/) dokumentieren oder als „prominentes Beispiel“ Amina Pocher, die auf Wunsch ihres ägyptischen Vaters verstümmelt werden sollte (https://www.vip.de/cms/amira-pocher-sollte-in-ihrer-kindheit-beschnitten-werden-4551779.html).

Sytematische Kleinrechnung des Problems durch Giffeys Ministerium

Die TaskForce wies das Ministerium schon vor Wochen auf diese eklatanten Fehler hin, ebenso auf die in der Pressemeldung fehlende Kennzeichnung der Zahl als reine Schätzung. Es folgten weder Reaktion noch Korrektur.

In der Konsequenz müssen sich Ministerin Giffey und ihr Ministerium den Vorwurf gefallen lassen, das Ausmaß der Verstümmelungsgefahr in unserem Land systematisch kleinzurechnen.

Pressekontakt:

Kontakt: TaskForce für effektive Prävention von Genitalverstümmelung
e.V., eMail: info@taskforcefgm.de, Telefon: 01803 – 767 346 (9
ct/min. aus dem dt. Festnetz, mobil max. 42 ct/min.)

Quelle:Genitalverstümmelung an Mädchen: Die falschen Zahlen der Ministerin Giffey


Importiert mit WPna von Tro(v)ision