Hamburg (ots) –

Quelle: (ots/DIE ZEIT)

Für den früheren ARD-Wetterexperten Jörg Kachelmann ist die
Rückkehr zum Fernsehen eine Rückkehr in sein altes Leben. Er habe
sich nach seinem Freispruch vorgenommen: „Ich kriege mein Leben
zurück“, erzählt Kachelmann im Interview mit der Wochenzeitung DIE
ZEIT. Denn: „Manche haben meine Fernsehabwesenheit wie ein Monstranz
vor sich hergetragen“. Es sei im Laufe der vergangenen sieben Jahre
immer weniger geworden, was man ihm vorwerfen konnte: „Aber das kam
immer: Wenigstens darf er nicht mehr ins Fernsehen!“ Das sei für ihn
der Grund gewesen, wieder als Moderator in einer Talkshow
aufzutreten. Im Januar 2019 kehrt Kachelmann nun als Moderator zu
seiner früheren Talk-Sendung Riverboat beim MDR zurück. Seine
Co-Moderatorin wird ebenfalls wieder Kim Fisher sein.

Nach seinem Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung hatte
Kachelmann jahrelang mit allen Mitteln darum gekämpft, seinen Ruf
wieder herzustellen. In dem Interview berichtet er außerdem, dass er
von Zeitungsverlagen, die während des Strafverfahrens seine
Persönlichkeitsrechte verletzt hatten, vor Gericht
Entschädigungssummen erstritten habe, die insgesamt „nicht weit unter
einer Million“ gelegen hätten. Mit ihm habe „jahrelang kein
Journalist sprechen“ wollen, so Kachelmann, daher habe er selbst sich
in den sozialen Medien Gehör verschafft. Kachelmann: „Ich hatte
natürlich das Glück, dass ich mich auf Twitter äußern und eine Art
Paralleluniversum erschaffen konnte.“

Die Leute, die 2010 beim MDR das Sagen hatten, seien heute nicht
mehr da, sagt Kachelmann im Interview. Die Anbahnung seiner Rückkehr
habe sich über ein halbes Jahr erstreckt, „dann gab es ein diskretes
Vorabtreffen – wahrscheinlich, um zu sehen, ob ich bei Trost bin. Auf
Twitter schreibe ich ja sehr engagiert und auch polemisch. Ich habe
offenbar „bei Trost“ gewirkt, danach gab es das nächste Gespräch mit
höheren Etagen“. Vor der Aufzeichnung der ersten Sendung habe er „vor
Aufregung kaum geschlafen und war abends fix und fertig, als es
losging“.

Jörg Kachelmann, der durch den erlogenen Vergewaltigungsvorwurf
einer Ex-Geliebten 2010 erst in Untersuchungshaft und dann vor ein
Strafgericht gebracht worden war, verschwand damals vom
Fernsehbildschirm. 2011 wurde er von dem Vorwurf freigesprochen, 2016
verurteilte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main die
Falschbeschuldigerin zur Zahlung von Schadensersatz.

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