Berlin / Köln / Wuppertal (ots) –

Quelle: (ots/TransFair e.V.)

Der globale Kaffeemarkt ist zutiefst ungerecht. Während eine
Handvoll Kaffeekonzerne von wachsenden Gewinnen profitieren,
verbleibt immer weniger Wertschöpfung in den Anbauländern. Angesichts
des Klimawandels stehen dem Kaffeesektor dramatische Entwicklungen
bevor. Das belegt die aktuelle französische Studie „Kaffee – eine
Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise“. Als Gegenmodell dazu zeigen
die Fallbeispiele aus den Anbauländern Kolumbien, Peru und Äthiopien,
dass der faire Handel die Lebensbedingungen der Kaffeebäuer*innen
verbessert. Zu Beginn der Internationalen Grünen Woche in Berlin
(18.-27. Januar) legen das Forum Fairer Handel und TransFair e.V. die
deutsche Fassung dieser Studie vor. Die wichtigsten Zahlen zum
deutschen Kaffeemarkt verdeutlichen: Hierzulande geht es nicht fairer
zu als bei unseren Nachbarn.

Ein lukrativer Markt, von dem nur Wenige profitieren

Weltweit werden mehr als zwei Milliarden Tassen Kaffee täglich
getrunken, was einem Umsatz von rund 200 Milliarden Dollar pro Jahr
entspricht. Der größte Anteil des Kaffeekonsums entfällt auf Europa,
die Vereinigten Staaten und Brasilien und zunehmend auch auf Asien.
„Von diesem lukrativen Markt profitieren jedoch hauptsächlich die
großen Röster und Kaffeehändler. Die Kaffeebäuerinnen und -bauern
müssen sich nicht selten mit Einkommen unter dem Produktionsniveau
begnügen“, konstatiert Andrea Fütterer, Vorsitzende des Forum Fairer
Handel und Leiterin der Grundsatzabteilung der GEPA – The Fair Trade
Company. Die Staatshaushalte der Erzeugerländer werden zusätzlich mit
den gesellschaftlichen und ökologischen Folgekosten des Kaffeeanbaus
belastet. Dazu zählen beispielsweise Kosten für die Behandlung von
Erkrankungen durch den Einsatz von Pestiziden oder
Wasserverschmutzung durch Düngemittel.

Kaffeemarkt in der Schieflage

Die Zahlen für den deutschen Markt verdeutlichen die Schieflage
aus Sicht der Produzent*innen: Inflationsbereinigt sind die Einnahmen
in den Produktionsländern zwischen 1994 und 2017 um rund zehn Prozent
gesunken. Dagegen ist die Wertschöpfung bei Röstern und Händlern in
Deutschland im gleichen Zeitraum um 215 Prozent, von 2,28 Milliarden
Euro auf 4,9 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen.

Kaffeebäuer*innen stehen zunehmend unter Druck

„Wenn wir auch zukünftig täglich Kaffee genießen möchten, müssen
die Bedingungen für die Kaffeebäuerinnen und -bauern dringend
verbessert werden“, mahnt Dieter Overath, Geschäftsführender
Vorstandsvorsitzender bei TransFair, auch mit Blick auf die negativen
Auswirkungen des Klimawandels auf den Kaffeeanbau. „Diese Studie
verheißt dem konventionellen Kaffeesektor schwere Zeiten, wenn nicht
in die Nachhaltigkeit des Anbaus investiert wird“, ermahnt Overath
die großen Player auf dem Kaffeemarkt. Schon heute sind
Kaffeebäuerinnen und -bauern beispielsweise von Mangelernährung
betroffen. Auch Migration und Drogenhandel sind Folgen von sinkenden
Einkommen. Zugleich führen die Ausweitung und Modernisierung des
Kaffeeanbaus zur Entwaldung und einer Ausweitung der Nutzung von
chemischen Düngemitteln. All jene Entwicklungen werden durch den
fortschreitenden Klimawandel weiter potenziert.

Der Faire Handel verbessert die Lebensbedingungen der
Kaffeeprodu-zent*innen

Die Fallbeispiele zum Kaffeeanbau in Kolumbien, Peru und Äthiopien
zeigen, dass der Faire Handel die Lebensbedingungen der
Produzent*innen verbessert, indem er die Organisationsfähigkeit der
Bäuerinnen und Bauern stärkt, die Preisschwankungen am Weltmarkt
durch den Mindestpreis abfedert und die Kooperativen zusätzlich von
Prämien für Fairen Handel und ökologischen Anbau profitieren.
Insbesondere die Kombination aus biologischem Anbau und Fairem Handel
wird als besonders wirksam hervorgehoben. In Deutschland sind bereits
78 Prozent des fair gehandelten Kaffees in Deutschland auch
Bio-zertifiziert.

Die Politik ist gefordert

Der Marktanteil fair gehandelten Kaffees wächst in Deutschland
stetig, liegt jedoch noch immer nur bei 4,8 Prozent. Diese Zahl
verdeutlicht, dass der Faire Handel die Ungerechtigkeit des
Kaffeemarktes auch perspektivisch nicht alleine beheben kann. Die
gegenwärtige Machtverteilung entlang der konventionellen Lieferkette
begünstigt die ungleiche Wertschöpfung massiv. „Deswegen setzen wir
uns in Deutschland für die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair
gehandelten Kaffee ein“, erklärt Dieter Overath mit Blick auf die
Bundesregierung. Doch damit möglichst viele Kaffeebäuerinnen und
-bauern bessere Bedingungen erhalten, braucht es zudem übergreifende
gesetzliche Regelungen. „Aus diesem Grund plädieren wir für eine
gesetzliche unternehmerische Sorgfaltspflicht entlang der
Lieferketten. Die Unternehmen müssen dafür Verantwortung übernehmen,
dass ihre Produkte unter men-schenwürdigen Bedingungen hergestellt
werden“, erklärt Andrea Fütterer. Darüber hinaus ist es im Fairen
Handel ein Anliegen, die Wertschöpfung vor Ort noch einmal besonders
zu erhöhen. Teils schon seit Jahren gibt es Kaffees, die in den
Herkunftsländern weiterverarbeitet werden – zum Beispiel dort
geröstet und verpackt oder als Instantkaffee produziert werden.

Service:

Die deutsche Kurzfassung der Studie „Kaffee: Eine
Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise“ erhalten Sie unter
www.forum-fairer-handel.de/presse zum Download.

Die französische Originalversion wurde im Oktober 2018 vom
Forschungsinstitut BASIC im Auftrag der Fair-Handels-Organisationen
Commerce Equitable France und Max Havelaar France sowie dem Netzwerk
„Repenser les filières“ (zu Deutsch „Wertschöpfungsketten neu
denken“) herausgegeben.

Die Lang- und Kurzfassung dieser Studie im Original erhalten Sie
unter https://lebasic.com/nos-publications/

Besuchen Sie uns auf der Internationalen Grünen Woche
TransFair e.V.: Halle 5.2, Stand 107
Forum Fairer Handel: Halle 5.2, Stand 100
GEPA – The Fair Trade Company in Kooperation mit Naturland: Halle
5.2, Stand 108

Pressekontakte:

Katrin Frank, Forum Fairer Handel e.V.,
Tel.: 030 – 28045 259, E-Mail: presse@forum-fairer-handel.de

Barbara Schimmelpfennig, GEPA The Fair Trade Company,
Tel : 0202 – 2668360, presse@gepa.de

Edith Gmeiner, TransFair e.V.,
Tel.: 0221 – 9420 40 46, presse@fairtrade-deutschland.de

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Quelle: https://www.presseportal.de/pm/52482/4168756