Bielefeld (ots) – Bielefeld. Die Reform der deutschen
Rechtschreibung, die heute vor 20 Jahren nach langen
Auseinandersetzungen schließlich in Kraft trat, hat der deutschen
Sprache nur wenig geholfen, aber auch nicht „groß geschadet“. Dieses
Resümee hat Peter Schlobinski, Osnabrücker Sprachwissenschaftler und
Vorsitzender der Gesellschaft für deutsche Sprache in einem Gespräch
mit der in Bielefeld erscheinenden Neuen Westfälischen
(Mittwochausgabe) gezogen. Schlobinski, der an der Leibniz
Universität Hannover lehrt, warnte vor dem Irrglauben, man können
alles Regeln unterwerfen: „Ich hätte 1996 nicht mit der Reform
begonnen“, sagte er. „Ob man jetzt ,See‘ oder ,Zeh‘ mit Doppel-e oder
,eh‘ schreibt, das muss man halt lernen. Das ist so komplex und
historisch gewachsen, dass es einfach wenig Sinn hat zu glauben,
alles mit Regeln versehen zu wollen.“

Dennoch sei eine festgelegte Orthografie nötig. „Der Sinn von
Orthografie ist ja, dass wir in der Lage sind, Texte zu lesen und zu
verfassen. Und wir müssen in der Lage sein, dies normgerecht zu tun“,
sagte Schlobinski. Sprache, auch Schriftsprache entwickele sich aber
unabhängig von Regelwerken weiter. „Man kann das ja wunderbar in den
sozialen Medien sehen“, so der Sprachwissenschaftler. Da werde mit
viel Kreativität vom Standard abgewichen, etwa was Kommasetzung,
Zeichen oder Emojis angehe – „und das nicht, weil die Leute es nicht
besser können, sondern weil das Kommunikationsformen sind, die nicht
dem normativen Druck unterliegen“. Dagegen habe auch die Gesellschaft
für deutsche Sprache nichts. „Man muss immer wieder sagen: Die
amtliche Rechtschreibung betrifft ja die Verwaltung, Gesetzestexte,
Schule, Universitäten. Im Prinzip kann letztlich im Privatbereich
jeder schreiben, wie er will“, so Professor Schlobinski.

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