Berlin (ots) –

Friederike Scholz, Artenschutz-Expertin des Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) über den Straßentod von Wildkatzen
anlässlich der Wanderungszeit von Jungtieren:

Anmoderationsvorschlag: Mit der frühen Dunkelheit steigen die
Wildunfälle. Doch nicht nur Rehe oder Wildschweine sind betroffen,
auch die gefährdete Europäische Wildkatze ist besonders im Herbst oft
Opfer von Wildunfällen. In den vergangenen Jahren wurden einige
hundert überfahrende Wildkatzen gezählt, die Dunkelziffer liegt aber
wahrscheinlich deutlich höher. Wir sprechen mit der
Artenschutz-Expertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND), Friederike Scholz, über den Straßentod von Wildkatzen.

Erste Frage: Frau Scholz, wieso sind Wildkatzen momentan besonders
gefährdet, Opfer eines Wildunfalls zu werden?

O-Ton 1 (Friederike Scholz, 45 Sek.): Der Straßentod gilt bei
Wildkatzen als häufigste unnatürliche Todesursache. Das liegt
hauptsächlich daran, dass die Lebensräume von Wildkatzen sehr, sehr
stark von Straßen zerschnitten sind. Die letzten Lebensräume der
Tiere liegen wirklich verstreut wie Inseln im Meer zwischen
Siedlungen und Straßen. Dazu kommt, dass jetzt im Herbst die
Jungtiere, die in diesem Frühjahr geboren wurden, selbstständig
werden und sich eigene Reviere suchen. Dadurch sind sie besonders
mobil und viel unterwegs und werden deswegen besonders häufig jetzt
im Herbst überfahren. Außerdem sind Wildkatzen dämmerungs- und
nachtaktiv. Und jetzt im Herbst sind in der Dämmerung besonders viele
Autofahrer noch unterwegs, weil es früher dunkel wird. Dadurch werden
mehr Wildkatzen leider überfahren.

Zweite Frage: Die Wildkatze war lange eine bedrohte Art in
Deutschland. Wie viele Wildkatzen gibt es eigentlich und gibt es
Gebiete, wo sie besonders oft vorkommen?

O-Ton 2 (Friederike Scholz, 58 Sek.): Vor hundert Jahren waren
Wildkatzen in Deutschland sogar fast ausgestorben. Dank strenger
Schutzmaßnahmen gibt es heute wieder so ungefähr sieben- bis
zehntausend Stück. Sie gilt aber nach wie vor als bedroht und ist in
Deutschland auch streng geschützt. Wildkatzen kommen bei uns
hauptsächlich in Mitteldeutschland vor, in den mitteldeutschen
Mittelgebirgen, aber auch im Südwesten – gerade Rheinland-Pfalz und
Eiffel sind große Vorkommensgebiete. Die Wildkatzen haben sich auch
in den letzten Jahren viele neue Verbreitungsgebiete zurückerobert,
so zum Beispiel werden sie in Bayern verstärkt nachgewiesen. Aber
auch bis in die Lüneburger Heide hinein hatten wir neue Nachweise und
auch in Sachsen. Und gerade in so Gebieten, wo die Wildkatze sich
ganz neu ansiedelt ist es natürlich besonders fatal, wenn diese
Einzeltiere überfahren werden und dann diese ganze Neubesiedelung ins
Stocken gerät oder auch wieder Populationen ausgelöscht werden.
Deswegen ist der Straßentod auch hier eine starke Gefährdungsursache
für die Wildkatze.

Dritte Frage: Was gibt es denn für Möglichkeiten, zu verhindern,
dass Wildkatzen überfahren werden?

O-Ton 3 (Friederike Scholz, 49 Sek.): Hier sind besonders Politik
und Behörden gefragt. Wir haben in Deutschland eines der dichtesten
Straßennetzwerke der ganzen Welt. Wir haben zum Beispiel das
Bundesprogramm Wiedervernetzung, womit der Bau von Grünbrücken
gefördert werden soll. Diese Grünbrücken sollen durch die
Bundesländer umgesetzt werden. Da hinken aber leider bisher fast alle
Bundesländer sehr stark hinterher. Das muss deutlich vorangebracht
werden. Darüber hinaus ist es natürlich immer gut, wenn man
Wildtieren sichere Wanderwege anbietet. Der BUND widmet sich seit
vielen Jahren der Lebensraumvernetzung, zum Beispiel pflanzen wir im
Rettungsnetz Wildkatze grüne Wanderkorridore aus Bäumen und Büschen
zwischen Wildkatzenwäldern, damit die Tiere eben sicher von Wald A
nach Wald B kommen. Bisher haben wir schon 24 solcher Korridore in
ganz Deutschland umgesetzt.

Vierte Frage: Was kann ich als Autofahrer tun, um einen Wildunfall
zu vermeiden?

O-Ton 4 (Friederike Scholz, 47 Sek.): Als Autofahrer können sie
zum Beispiel die Geschwindigkeitsbegrenzung natürlich auch ganz
einfach beachten. Gerade in einsamen Waldgebieten im Dunklen verführt
das vielleicht manchmal dazu, doch schneller zu fahren. Das sollte
man wirklich unterlassen, diese Geschwindigkeitsbeschränkungen haben
ihren Sinn. Darüber hinaus sind auch diese Wildwechsel-Warnschilder,
die oft an Wildwechseln stehen, ernst zu nehmen. Da laufen
tatsächlich gehäuft Wildtiere über die Straße und eben auch
Wildkatzen. Und wenn man eben doch in die Situation kommt, dass man
eine Wildkatze am Straßenrand entdeckt, sollte man abblenden und
hupen. Und natürlich auch immer die eigene Sicherheit beachten und
nicht unkontrollierte Ausweichmanöver machen, die einen vielleicht im
Endeffekt selbst gefährden.

Fünfte Frage: Was ist zu tun, wenn es zu einer Kollision mit einer
Wildkatze kommt?

O-Ton 5 (Friederike Scholz, 27 Sek.): Falls Sie doch in die
Situation kommen, dass Sie eine Wildkatze überfahren haben und das
Tier auch tatsächlich tot ist, da ist es wichtig zu wissen, dass Sie
die Katze aus rechtlichen Gründen nicht mitnehmen dürfen. Sie sollten
den Standort, wo das Tier überfahren wurde, notieren und auch den
Zeitpunkt und sollten diese Informationen an den zuständigen Jäger
oder Jägerin und an die untere Naturschutzbehörde weitergeben. Gerne
auch an unsere BUND-Landesverbände.

Sechste Frage: Und wenn die Wildkatze noch lebt?

O-Ton 6 (Friederike Scholz, 38 Sekunden): Wenn die Katze
tatsächlich noch lebt, liegt natürlich eine ganz andere Situation
vor. Dann sollten Sie wirklich zügig die zuständigen Jäger oder
Jägerin informieren oder eben die untere Naturschutzbehörde oder
unsere BUND-Landesverbände. Diese versuchen dann so schnell wie
möglich zu helfen. Natürlich ist auch die Polizei in so einem Fall
ein guter Ansprechpartner. Wichtig ist hierbei immer, dass man darauf
hinweist, dass es sich womöglich um eine Wildkatze handelt, die ja
eine geschützte Art ist. Für Tierärzte ist es wichtig zu wissen, dass
es sich womöglich um eine Wildkatze handelt, weil Wildkatzen in
Menschenhand ganz anders behandelt werden müssen, als gewöhnliche
Hauskatzen.

Siebte Frage: Wie kann ich denn überhaupt eine Wildkatze von einer
Hauskatze unterscheiden?

O-Ton 7 (Friederike Scholz, 39 Sek.): Zu Beginn ganz wichtig zu
wissen: Wildkatzen sind keine verwilderten Hauskatzen. Unsere
Hauskatzen, die stammen von der afrikanischen Falbkatze ab und wurde
von den Römern zu uns gebracht, während Wildkatzen schon seit
Jahrzehntausenden bei uns leben. Wildkatzen sind insgesamt deutlich
stämmiger gebaut als Hauskatzen, sie haben so eine verwaschene
grau-gelbe Färbung und ganz typisch: Sie haben so einen dichten und
buschigen Schwanz mit schwarzen Ringen am Ende und so einer stumpfen,
schwarzen Schwanzspitze. Hauskatzen dagegen sind deutlich zierlicher
gebaut, die Zeichnung ist deutlich stärker und sie haben so einen
schlanken, spitz zulaufenden Schwanz.

Abmoderationsvorschlag: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Scholz.
Wer mehr über Wildkatzen wissen möchte, findet auf der Website des
BUND bund.net/wildkatze weitere Informationen.

Der O-Ton (Audio) als Download:
www.bund.net/wildkatzen-interview

Alle O-Töne können Sie als mp3-Datei herunterladen und für
Medienberichte verwenden. Interview: 5:21 Minuten

Weitere Informationen zum Thema
www.bund.net/wildkatze

Pressekontakt:

Friederike Scholz, BUND-Expertin für Wildkatzen, Tel.: 030-27586-483,
E-Mail: friederike.scholz@bund.net, bzw. Katrin Matthes,
BUND-Pressereferentin, Tel.: 030-27586-531; E-Mail: presse@bund.net,
www.bund.net

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Quelle: https://www.presseportal.de/pm/7666/4100433