Frankfurt am Main (ots) –

– KfW Research legt erstmalig Studie über junge Sozialunternehmer
vor
– Für 154.000 Sozialunternehmer ist sozialer Beitrag wichtiger als
Einkommenserzielung
– Sozialunternehmer starten überdurchschnittlich häufig mit
Marktneuheiten und technologischen Innovationen
– Häufiger Kapitalbedarf als andere Jungunternehmer

Soziales und ökologisches Engagement gewinnt auch in der
Wirtschaft seit Jahren an Bedeutung. Im Zuge dessen rücken so
genannte Social Entrepreneurs verstärkt in den Blickpunkt der
Öffentlichkeit – Unternehmer also, die durch ihre unternehmerische
Tätigkeit in erster Linie einen spezifischen Beitrag zur Lösung eines
gesellschaftlichen Problems oder zum Umweltschutz leisten wollen. KfW
Research hat die Besonderheiten junger Sozialunternehmer und ihrer
Unternehmen erstmals mit dem KfW-Gründungsmonitor untersucht: Demnach
gab es zuletzt 154.000 „junge“ Sozialunternehmer in Deutschland, die
108.000 Unternehmen führen – das sind rund 9 % aller Jungunternehmer
des Jahres 2017. Als Jungunternehmer gelten alle noch aktiven
Existenzgründer der vergangenen 5 Jahre vor der Befragung.

„Sozialunternehmer sind auf zweierlei Art innovativ. Sie haben
neben dem Gewinnziel ein soziales oder ökologisches Anliegen ganz
oben in ihrem Zielsystem verankert und verzichten dafür auf mögliche
Rendite“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.
„Darüber hinaus sind sie häufig auch im ‚klassischen‘ Sinne
innovativ: Knapp ein Drittel der jungen Sozialunternehmer bieten
Marktneuheiten an, die es auf ihrem Zielmarkt vorher noch nicht gab.
Jeder vierte entwickelt eigene technologische Innovationen bis zur
Marktreife. Viele der sogenannten ‚Social Entrepreneurs‘ sind also
durchaus Vorreiter für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung.“ Zum
Vergleich: Bei anderen Jungunternehmern ist nur gut jeder achte mit
Marktneuheiten aktiv (12 %) und nur jeder neunte bei der Entwicklung
technologischer Innovationen engagiert (11 %).

Die KfW-Analyse zeigt darüber hinaus, dass bei Frauen und bei
älteren Menschen ein soziales oder ökologisches Anliegen besonders
häufig im Vordergrund steht. So ist der Anteil von Sozialunternehmern
an den bis zu fünf Jahre alten Existenzgründungen durch Frauen mit 12
% überdurchschnittlich hoch (Männer: 7 %). Und während bei den bis
50-jährigen Jungunternehmern 8 % Sozialunternehmer sind, steigt der
Anteil bei den Ü50-Jährigen auf 14 %. „Die Sozialunternehmer zeigen,
dass man auch im fortgeschrittenen Berufsleben neue Pläne
verwirklichen kann. Auch das ist vor dem Hintergrund des
demografischen Wandels zu begrüßen.“

Weitere wesentliche Unterschiede zwischen „jungen“
Sozialunternehmern und anderen Jungunternehmern sind:

– Die Mehrheit der Sozialunternehmer gründete, um eine bestimmte
Geschäftsidee auszunutzen (60 %/andere Jungunternehmer: 49 %).
Damit sind Sozialunternehmer weniger „arbeitsmarktgetrieben“,
sie machen sich also seltener selbstständig, weil eine bessere
Erwerbsalternative fehlt. Nur 17 % von ihnen nennen dieses Motiv
als Hauptgrund für ihre Selbstständigkeit, dagegen ein Drittel
der anderen Jungunternehmer.

– Junge Sozialunternehmer sind häufiger Teamplayer: Jeder vierte
arbeitet im Unternehmerteam mit anderen (26 %), ein Drittel
beschäftigt Mitarbeiter (32 %). Andere Jungunternehmer arbeiten
dagegen häufiger Solo und seltener mit Mitarbeitern (19 und 25
%).

– Sozialunternehmer haben häufiger Kapitalbedarf als die anderen
Jungunternehmer (75 % bzw. 60 %), insbesondere bis 25.000 EUR
(58 % bzw. 48 %). Zur Deckung greifen sie häufiger auf
Fördermittel sowie alternative Finanzierungsquellen wie
Stiftungsgelder, Investorengelder oder auch Geld aus
Crowdfunding-Kampagnen zurück.

– Im Vergleich mit anderen Jungunternehmen sorgen sich
Sozialunternehmer deutlich stärker um ihre kaufmännischen
Kompetenzen (23% bzw. 33%). Im Hinblick auf viele andere
Belastungsfaktoren wie etwa Bürokratie oder Vereinbarkeit von
Familie und Beruf gibt es hingegen kaum Unterschiede. Eine
gezielte Unterstützung der Sozialunternehmer beim Erwerb
kaufmännischen Know hows würde daher die Chancen erhöhen, dass
sich die Firmen langfristig am Markt halten können.

Die aktuelle Analyse von KfW Research zu Sozialunternehmern ist
abrufbar unter www.kfw.de/fokus.

Zur Datengrundlage: Die aktuelle Untersuchung zu jungen
Sozialunternehmern basiert auf dem KfW Gründungsmonitor, einer
repräsentativen Bevölkerungsbefragung von etwa jährlich 50.000
zufällig ausgewählten, in Deutschland ansässigen Personen. Gründer
werden dabei breit erfasst – Voll- oder Nebenerwerb, Freiberufler
oder Gewerbetreibender, Neugründung oder Übernahme. Die
Identifikation vom Social Entrepreneurs erfolgt auf Basis der Angaben
der Gründer zu ihrem Unternehmenszweck.

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