München (ots) – Klimawandel, intensive Landwirtschaft, Einsatz von
Umweltgiften: Um die Folgen des Bienensterbens abzumildern, achten
immer mehr Hobbygärtner auf die Bienenfreundlichkeit. Während das
Thema bei der Landschaftsgestaltung von Neubauvorhaben bisher kaum
beachtet wird, setzt der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) bei
einem Bauvorhaben in München erstmals gezielt auf blühenden
Lebensraum für Biene Maja und Co. „Das Angebot für Wild- und
Honigbienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber nimmt im städtischen
Raum zwar zu, ist aber gerade in vielen Neubaugebieten nicht
ausreichend. Uns ist es beim aktuellen Neubauvorhaben
„Lipperheidestraße“ mit 192 Wohnungen im Münchner Westen ein
Anliegen, dass Bewohner und Bienen gleichermaßen profitieren und das
Bewusstsein weiter geschärft wird“, erklärt Alfred Herrmann, Leiter
des Bereichs Immobilien beim WAF. Die Landschaftsarchitektin Swantje
Nowak von Nowak Partner, die für die Landschaftsgestaltung des
Projektes verantwortlich zeichnen, gibt nachfolgend Tipps für eine
bienenfreundliche Landschaftsgestaltung. Davon können andere private
Bauherren und Gärtner lernen.

Blüte über einen langen Zeitraum

„Das allerwichtigste ist, dass über einen möglichst langen
Zeitraum immer etwas blüht. Das Schöne ist, was den Bienen gefällt,
erfreut auch die Menschen“, sagt Nowak. Beim Neubauprojekt des WAF
wird für die künftigen Bewohner ein Kalender sichtbar installiert,
sodass nachvollziehbar wird, welche Pflanzen wann im Jahresverlauf
den Bienen Nahrung spenden. Was viele nicht wissen: Das ist selbst im
Herbst und Winter möglich und wichtig. Nowak: „Während der kalten
Monate ist das Angebot naturgemäß nicht so groß wie im Sommer, da
sich die Bienen in ihre Wintertraube zurückziehen. Aber wir haben
selbst bereits ab Januar drei blühende Gewächse geplant, weil sie an
warmen Wintertagen oberhalb von zwölf Grad durchaus die Bienentraube
verlassen – wozu auch der Klimawandel beiträgt.“ Dem Bepflanzungsplan
zufolge blühen an der Lipperheidestraße im Januar Christrosen,
Winterlinge und Krokusse. Im Februar kommen Haselnuss,
Frühlingsknotenblumen, Schneeglöckchen und Schneeheiden hinzu. „Die
Winterblüte ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie verhindern
kann, dass die Bienen infolge des frühen Ausflugs schon vor der Brut
erschöpft sind oder gar sterben“, erklärt Nowak.

Heimische Pflanzenarten mit ausreichend Pollen und Nektar

„Heimische Bienen brauchen heimische Pflanzen wie Duftveilchen,
Windröschen, Besenginster oder Dost, aber auch Kräuter wie Salbei,
Thymian oder Majoran. Wichtig sind zudem heimische Bäume, Sträucher
und Stauden, die Nektar und Pollen bieten“, erklärt Nowak. Im
Münchner Westen wachsen deshalb unter anderem Haselnuss- und
Walnussbäume, aber ebenso Schlehen, Schwarzer Holunder und
Stauden-Lupinen. Gefüllte Blumensorten wie Geranien, gezüchtete
Dahlien oder Garten-Chrysanthemen sind zwar dekorativ, bieten aber
keine oder nur wenig Pollen. Nowak: „Es geht aber nicht nur um die
Bienen. Sowohl Insekten als auch Vögel sind auf Blütenvielfalt
angewiesen. Vögel fressen ebenfalls an den Samen und nicht zuletzt
die Insekten, die aufgrund der Pflanzenvielfalt vorhanden sind. Wenn
die Insekten fehlen, haben die Vögel zu wenig Nahrung. Bienen sind
deswegen Botschafter nachhaltigen Handelns“, erklärt Nowak. Dem
Wittelsbacher Ausgleichsfonds bedeutet die Nachhaltigkeit im
doppelten Sinne viel. „Wo Bienen sind, gibt es ein gesundes
Ökosystem. Mit dem Projekt wollen wir vor allem Familien ansprechen.
Durch die Landschaftsgestaltung werden Kinder frühzeitig für
natürliche Kreisläufe sensibilisiert“, sagt Herrmann.

Durch dichte Bepflanzung und vielfältige Strukturen Lebensräume
schaffen

Pflanzen sind für Bienen nicht nur Nahrungsmittel, sondern vor
allem Lebensraum, der ihnen Baumaterial für die Brutzellen liefert,
wo die Eiablage stattfindet. Deshalb sollten Landschafts- und
Hobbygärtner beim Thema Bienenfreundlichkeit auf Nisthilfen achten.
Diese können sie durch Totholz, Fugen in Steinmauern oder
aufgehäufte, nicht bepflanzte Sandhügel in Beten schaffen. „Wir
erleben über das vergangene Jahrzehnt einen Wandel in der
Gartenkultur hin zu immer blankeren Oberflächen und leicht zu
pflegenden Elementen. Gerade ist beispielsweise der Schottervorgarten
ohne jegliche Pflanze en vogue. Wir müssen weg von Rollrasen und
Schnitthecke hin zu einem Garten, der uns selbst wieder Freude macht
und wo wir uns selbst gern aufhalten“, sagt Nowak. Ein
bienenfreundlicher Garten hat vielfältige Strukturen wie Höhen und
Tiefen, Totholz, Wasserquellen oder Trockenmauern. „Für das
Wohnquartier an der Lipperheidestraße haben wir deshalb auf eine
dichte, bodenbedeckende Bepflanzung geachtet. Nur über Vielfalt
können wir den knapp 600 Wildbienenarten, von denen die Mehrzahl im
Boden oder in Pflanzenhalmen nistet, gerecht werden“, erklärt Nowak.

Hintergrund

Der Zustand der Bienen in Deutschland birgt Grund zur Sorge. Seit
1990 ist die Anzahl der Bienenvölker in Deutschland um 40 Prozent
zurückgegangen. Als Gründe werden monotone Landwirtschaft, der
Einsatz von Pestiziden auf Feldern, das Verschwinden natürlicher
Lebensräumen und die Varroa-Milbe genannt. 300 der 585 lokalen
Bienenarten sind vom Aussterben bedroht. Dabei beginnt die Produktion
bei jedem dritten Nahrungsmittel mit der Blütenbestäubung durch
Bienen oder andere Insekten. Allein in Deutschland betrifft dies
jährlich Lebensmittel im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro. Obwohl
die Zahl der Bienen gerade insgesamt sinkt, erlebt die Bevölkerung
der Honigbiene einen Aufschwung – was auch an einem Zulauf von Imkern
liegt. Seit 2005 ist die Zahl der Imker in Deutschland von knapp über
80.000 auf 114.500 gestiegen. Besonders in Städten erfreut sich die
Hobby-Imkerei wachsenden Interesses. Allein in München sind
mittlerweile 1.200 Imker gemeldet. Insgesamt werden landesweit rund
792.202 Bienenvölker von Imkern betreut. In Zukunft wird das Ziel
sein, mehr Imker auf dem Land zu mobilisieren und Wildbienen
effektiver zu schützen.

Über das Wohnquartier an der Lipperheidestraße

Im Münchner Stadtteil Pasing-Obermenzing entsteht östlich der
Lipperheidestraße auf einer rund sechs Hektar großen Fläche ein
lebendiges Wohnquartier mit rund 340 Wohnungen sowie einer
Kindertageseinrichtung mit Kinderkrippen- und Kindergartenplätzen.
Eigentümer und Bauherren sind neben dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds
die StadiBau GmbH, die Grandl GbR und die Landeshauptstadt München
(Referat für Bildung und Sport). Es handelt sich ausschließlich um
Mietwohnungen, darunter auch öffentlich geförderte Wohnungen, mit
Schwerpunkt auf familiengerechten und barrierefreien Wohnraum.

Über den Wittelsbacher Ausgleichsfonds

Der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) ist eine Stiftung des
öffentlichen Rechts. Der Stiftungszweck des WAF ist, das ihm
anvertraute kulturelle Erbe des Hauses Wittelsbach zu bewahren und
das Stiftungsvermögen zu verwalten. Zu den Stiftungsbereichen gehören
Immobilien, Land- und Forstwirtschaft, Finanzanlagen sowie Kunst,
Schlösser und Museen.

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