München (ots) –

Quelle: (ots/Handicap International)

Supermodel Nicole Atieno aus Dresden besuchte für die humanitäre
Hilfsorganisation Handicap International (HI) kurz vor Weihnachten
das Flüchtlingslager in Kakuma, im Grenzdreieck zu Südsudan und
Uganda. Die aus Kenia stammende 21-Jährige kam direkt von ihrem
letzten Shooting in New York, fuhr Stunden über staubige und holprige
Sandpisten, um mit eigenen Augen zu sehen, wie die richtige Therapie
und die richtige Unterstützung das Leben selbst nach Flucht und bei
prekären Lebensbedingungen besser machen können. Nicole muss immer
wieder mit den Tränen kämpfen und bewundert die Menschen, die trotz
ihrer schwierigen Lage doch irgendwie mutig und hoffnungsvoll nach
vorne schauen. Über 180.000 Geflüchtete leben in der Wüstenregion. HI
unterstützt insgesamt mehr als 6.000 Flüchtlinge mit Behinderung,
darunter über 2.000 Kinder.

Im Spielzentrum von Kakuma wimmelt es nur so von Kindern, mit und
ohne Behinderung. Hier dürfen sie einfach nur spielen und werden von
den HI-Fachkräften dabei angeleitet. „Es ist so traurig, ihre
Geschichten zu hören. Aber irgendwie strahlen sie auch eine positive
Energie aus. Vielleicht ist das so, weil sie noch nicht wissen, wie
das Leben ist“, sagt Nicole nach dem Besuch des Zentrums
nachdenklich und wischt sich ein paar Tränen aus den Augenwinkeln.
Viele Kinder können nicht laufen, sind geistig behindert, taub oder
blind. Aber trotzdem schallt ein fröhliches Lachen über den
Spielplatz.

HI gibt Hoffnung an einem oftmals hoffnungslosen Ort

Nicole hat schnell eine Beziehung zu den Kindern aufgebaut. Amina
Osman aus Somalia kuschelt sich vertrauensvoll in ihre Arme.
Hingebungsvoll starrt das geistig und körperlich behinderte Mädchen
in das strahlende Lachen des Supermodels, die im Alter von 10 Jahren
Kenia verlassen hat und seitdem in Dresden lebt, wenn sie nicht
gerade irgendwo auf der Welt auf den Laufstegen unterwegs ist. „Es
ist echt krasser, als ich dachte“, sagt Nicole, als sie sich von den
Kindern verabschiedet hat.

„Das Leben ist manchmal so ungerecht“

Besonders betroffen ist Nicole vom Schicksal von Anett Poni. Die
28-Jährige erkrankte mit 4 Jahren an Kinderlähmung. Ihr linkes Bein
ist seitdem verkrüppelt. Anetts Mann ist im Krieg in Südsudan ums
Leben gekommen, so packte sie ihre sechs Kinder, schaffte es
irgendwie an die Grenze und ins Flüchtlingslager. Dank der Hilfe von
HI hat sie jetzt ein kleines Restaurant, hat sogar eine Angestellte.
Anett brät in der brütenden Hitze in zischendem Öl Schmalzgebackenes
für den Verkauf. Gelegentlich wischt sich die Frau, die ihr erstes
Kind bereits mit elf Jahren bekam, den Schweiß aus der Stirn. Wofür
sie ihr kleines Einkommen ausgibt? Für die Schulbücher ihrer Kinder
und für ein neues Dach. Das alte Blechdach ist beim letzten
Wüstensturm weg geflogen. Noch steht sie auf der Warteliste für einen
chirurgischen Eingriff in Nairobi. Zu Voruntersuchungen war sie schon
dort. Noch 2019 soll sie eine Prothese bekommen und so sehr viel
mobiler werden. Nicole muss sich wegdrehen, die Tränen rinnen über
ihr Gesicht, als Anett ausdruckslos ihre Geschichte erzählt. „Das
Leben ist manchmal so ungerecht“, flüstert sie. „Das ist so
beeindruckend, dass diese Frau so stark ist und so viel Hoffnung hat.
Viele würden einfach aufgeben, aber sie macht immer weiter“, meint
Nicole, sichtlich bewegt.

Ziel für 2019: eine inklusive Schule

„Ich finde es so toll, dass HI Kindern und Erwachsenen mit
Behinderung hilft und ihnen Hoffnung gibt“, sagt Nicole anerkennend.
Über 100 Mitarbeiter von Handicap International bieten Physiotherapie
an, helfen ihnen mit Rollstühlen oder Prothesen. Und sie gehen zu all
den Familien nach Hause, die nicht in die Zentren kommen können.
Viele Mitarbeiter sind selber als Geflüchtete ins Lager gekommen und
wurden von der Hilfsorganisation ausgebildet. Sie sind auch deshalb
besonders wichtig, da sie die Patienten in ihrer Muttersprache
ansprechen können. Das primäre Ziel von HI für 2019: Der Aufbau einer
inklusiven Schule. Die Lehrmaterialien werden schon erstellt und
Lehrer ausgebildet, damit noch viel mehr Kinder in die Schule gehen
dürfen. Nur so haben sie eine Chance auf ein eigenständiges Leben.

Reich beschenkt vom Leben

Nicole kämpft immer wieder mit ihren Emotionen. Schließlich ist
sie selber bei der Großmutter in einem Dorf bei Kisumu aufgewachsen.
Ihre Mutter suchte beruflich ihr Glück in Deutschland. Mit 10 Jahren
folgte das Mädchen ihr nach Dresden, erlernte die Sprache, besuchte
dort das Gymnasium und im Alter von 16 Jahren wurde sie als Model
entdeckt. Sie schaffte ihr Abitur und ist nun auf den Laufstegen in
London, Paris, Mailand und New York unterwegs. Sie ist eines der
erfolgreichsten und meist gefeierten internationalen Models – und im
Herzen ein Mädchen aus Dresden, das sich auch in Kenia zuhause fühlt.
Sie selber fühlt sich so reich beschenkt vom Leben, dass sie gerne
etwas zurückgeben möchte – indem sie Botschafterin von Handicap
International ist und darauf aufmerksam machen möchte, dass Menschen
mit Behinderung dieselben Chancen im Leben haben müssen.

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Huberta von Roedern, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
089/ 54 76 06 34, presse@deutschland.hi.org

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