Kelkheim (ots) –

Quelle: (ots/Open Doors Deutschland e.V.)

Am 25. Juli wurde der Lagebericht des Auswärtigen Amtes zu
Afghanistan vom 31.05.2018 in teils geschwärzter Form veröffentlicht.
Er bestätigt die Einschätzung des internationalen Hilfswerks für
verfolgte Christen, Open Doors, wonach christliche Konvertiten in dem
islamischen Land um ihr Leben fürchten müssen. Deshalb fordert der
geschäftsführende Vorstandsvorsitzende Markus Rode die
Bundesregierung, die Bundesländer und die kommunalen
Ausländerbehörden auf, die Abschiebung von Konvertiten nach
Afghanistan sofort einzustellen: „Für christliche Konvertiten gibt es
keinen sicheren Ort in Afghanistan. Sie müssen dort ihren Glauben
verheimlichen, weil sie in der Gefahr stehen, getötet zu werden. Das
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lehnt jedoch
wissentlich Asylanträge von Konvertiten ab. Mit der hundertfachen
Deklarierung von Konvertiten zu ‚Scheinchristen aus asyltaktischen
Gründen‘ verschafft sich das BAMF eine skandalöse Legitimation,
Konvertiten in ein Land abzuschieben, wo auf den Abfall vom Islam die
Todesstrafe steht oder deren Ermordung droht. Fehlerhafte Bewertungen
seitens des BAMF können hier tödlich sein. Deshalb muss dem Urteil
von Geistlichen, die diese Konvertiten betreuen, größtes Gewicht
beigemessen werden.“

Quelle: (ots/Open Doors Deutschland e.V.)

In dem grundsätzlich als Verschlusssache eingestuften Bericht des
Auswärtigen Amtes heißt es: „Die von Afghanistan ratifizierten
internationalen Verträge und Konventionen, wie auch die nationalen
Gesetze sind jedoch allesamt im Lichte des generellen
Scharia-Vorbehalts (Art. 3 der Verfassung) zu verstehen.“ Und: „Die
Glaubensfreiheit, die auch die freie Religionswahl beinhaltet, gilt
daher de facto in Afghanistan nur eingeschränkt. Die Abkehr vom Islam
(Apostasie) wird nach der Scharia als Verbrechen betrachtet, auf das
die Todesstrafe steht.“ Der Lagebericht soll dem BAMF,
Verwaltungsgerichten und Innenbehörden des Bundes als
Entscheidungshilfe in Asylverfahren dienen.

Unter der Überschrift „Christen“ heißt es: „Afghanische Christen
sind in den meisten Fällen vom Islam zum Christentum konvertiert.
Neben der drohenden strafrechtlichen Verfolgung werden Konvertiten in
der Gesellschaft ausgegrenzt und zum Teil angegriffen. Allein der
Verdacht, jemand könnte zum Christentum konvertiert sein, kann Open
Doors zufolge dazu führen, dass diese Person bedroht oder angegriffen
wird. Für christliche Afghanen gibt es keine Möglichkeit der
Religionsausübung außerhalb des häuslichen Rahmens.“ Und mit Blick
auf die engmaschige soziale Kontrolle im Land ist selbst eine private
Glaubensausübung so gut wie unmöglich.

Fragwürdige „Glaubensprüfungen“ ermöglichen hohe Abschiebequote

Pfarrer, Pastoren und Rechtsanwälte, die zahlreiche Konvertiten
betreuen, berichten seit Anfang 2017 von einer Ablehnungswelle von
Konvertiten durch das BAMF. Die Behörde misst Taufen sowie Zeugnissen
der betreuenden Kirchenleiter häufig keine Bedeutung bei. So wollen
BAMF-Mitarbeiter nach einer Anhörung von drei Stunden die
Ernsthaftigkeit eines Glaubenswechsels besser einschätzen können als
Pfarrer, die Konvertiten oft über Monate hinweg betreuen. Die von
Innenminister und Regierung geforderte Abschiebequote wird
durchgesetzt ohne Rücksicht auf Leib und Leben der Betroffenen.

Angekündigter Einsatz für Religionsfreiheit der Bundesregierung
hinterfragt

Angesichts dieser Verhältnisse in Afghanistan und des aktuellen
Lageberichts des Auswärtigen Amtes kritisiert Markus Rode die
Entscheidung der Bundesregierung, künftig wieder abgelehnte
Asylbewerber nach Afghanistan abzuschieben, wie auch die
gleichlautende Aussage dazu von Bundeskanzlerin Merkel in ihrer
Pressekonferenz am 6. Juni 2018 in Berlin. Der Angabe, es würden nur
Straftäter, Gefährder und sogenannte Identitätsverweigerer nach
Afghanistan zurückgeführt werden, widerspricht Rode. Bei der letzten
Abschiebung von 69 Afghanen sei mindestens ein Konvertit unter den
Abgeschobenen gewesen. Diese Abschiebepraxis widerspreche dem von der
Kanzlerin angekündigten verstärkten Einsatz für die
Religionsfreiheit.

Gegenwärtig droht hunderten Konvertiten aus Afghanistan aufgrund
negativer Asylbescheide die Abschiebung. „Sie kamen mit islamischer
Prägung nach Deutschland, fanden durch engagierte christliche
Gemeinden zum Glauben und werden nun doppelt bestraft für ihre
Hinwendung zu eben diesem Glauben an Christus, an Nächstenliebe und
die christlichen Werte, die von C-Parteien gerne propagiert werden.
Nun werden sie zusammen mit Gefährdern und Kriminellen abgeschoben.
Afghanistan rangiert auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex von Open
Doors an 2. Stelle und steht damit hinsichtlich der Härte der
Christenverfolgung auf einer Stufe mit Nordkorea. Gleiche Erfahrungen
mit dem BAMF wie afghanische Konvertiten machen Iraner, die unter den
Konvertiten in Deutschland die weitaus größte Gruppe stellen. Das
muss ein Ende haben“, so Markus Rode.

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