Berlin (ots) – Autokauf in Zeiten von Fahrverboten: VCD gibt
Empfehlung für 61 Neuwagen mit wenig Schadstoffausstoß und geringem
Verbrauch. Verbraucher erhalten erstmals Überblick über CO2-Werte und
Kraftstoffverbrauch nach neuem WLTP-Messverfahren. E-Auto bleibt
Stiefkind der deutschen Autoindustrie.

Wer sich in Zeiten von Diesel-Fahrverboten und der Klimakrise
einen Neuwagen kaufen möchte, dem empfiehlt der ökologische
Verkehrsclub VCD 61 Pkw-Modelle. In der heute veröffentlichten VCD
Auto-Umweltliste 2018/2019 finden Verbraucher nur solche Autos, die
aufgrund ihrer geringen Schadstoffwerte auch künftig in deutsche
Innenstädte fahren können und die wegen ihres niedrigen Verbrauchs
aus Klimasicht vertretbar sind. Die Liste enthält 21 sparsame
Benziner, acht Benzin-Hybride, sieben reine Elektroautos, zwei
Plug-In-Hybride und ein Erdgasfahrzeug. Im Gegensatz zum letzten Jahr
listet der VCD auch 22 Diesel-Modelle. Die Diesel halten die Euro
6d-TEMP-Abgasnorm ein und sind durch einen SCR-Katalysator nicht nur
im Labor, sondern auch auf der Straße sauber.

Zu den empfehlenswerten Autos zählt der VCD Benzin-Hybride wie den
als Familienauto und als Taxi bewährten Toyota Prius Hybrid, sparsame
Benzin-Direkteinspritzer mit Partikelfilter wie den Ford Focus
EcoBoost sowie das meist verkaufte Elektroauto in Deutschland, den
Renault ZOE. Als Dieselfahrzeug schneidet unter anderem der Peugeot
308 SW Blue HDi 100 gut ab. Alle vom VCD gelisteten Autos stoßen nach
dem neuen, realitätsnäheren Prüfverfahren WLTP maximal 135 Gramm CO2
pro Kilometer aus. Dies entspricht einem Verbrauch von 5,1 Litern
Diesel und 5,7 Litern Benzin. Zudem beträgt der Fahrlärm der Autos
nicht mehr als 73 Dezibel.

Wasilis von Rauch, VCD-Bundesvorsitzender: „Die Diskussion um die
Umwelteigenschaft von Au-tos ist beherrscht vom Abgasskandal, der
immer neue Blüten treibt. Das weltweit größte Umwelt-problem ist die
Klimakrise, die durch den weiterhin viel zu hohen Ausstoß von
Treibhausgasen voranschreitet. Deswegen müssen neue Autos nicht nur
wenig Schadstoffe ausstoßen, sondern auch wenig Kraftstoff
verbrauchen und wenig CO2 produzieren.“

Der VCD warnt vor dem Kauf neuer Diesel der Euro 6c-Norm. Diese
stoßen oft ein Vielfaches der erlaubten Stickoxidwerte aus, weshalb
ihnen künftig die Zufahrt in deutsche Innenstädte verwehrt werden
könnte. Auch von Benzin-Direkteinspritzern ohne Partikelfilter rät
der ökologische Verkehrsclub ab. Die Autohersteller verkaufen diese
Fahrzeuge weiter, obwohl klar ist, dass diese Pkw aufgrund des
Ausstoßes von Feinst-Rußpartikeln hohe Gesundheitsschäden anrichten
und künftig ebenfalls von Fahrverboten betroffen sein können.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Die
Autohersteller haben bis heute massiv betrogen, Politiker in Bund,
Ländern und Kommunen bei der Luftreinhaltung jahrelang versagt. Dass
nun Gerichte über Diesel-Fahrverbote für saubere Luft sorgen müssen,
ist der bittere aber notwendige Schritt, um die Gesundheit der Bürger
zu schützen. Für die Menschen, die auf ein Auto angewiesen und durch
Fahrverbote verunsichert sind, wollen wir Licht ins Dunkel bringen.
Es darf nicht sein, dass Dreckschleudern ausgetauscht werden gegen
Neufahrzeuge, die im Realverkehr die Stickoxid-Grenzwerte um das
Mehrfache reißen. Die Autokäufer müssen hier genau hinsehen und
dürfen sich nicht Autos aus der Mottenkiste andrehen lassen.“

Auf ein umfangreiches Ranking hat der ökologische Verkehrsclub
verzichtet, da die Autohersteller nur zum Teil in der Lage waren,
aktuelle Daten zu den Verbrauchs- und Emissionswerten ihrer Neuwagen
zu liefern. Die vom VCD nun veröffentlichten CO2-Werte für die
empfohlenen Pkw sind bislang weder in den Verkaufsprospekten der
Autohersteller noch im Internet zu finden. Auch beim
Kraftfahrtbundesamt gibt es keine Übersicht zu den neuen WLTP-Daten.
Verbraucher erhalten mit der Auto-Umweltliste nun erstmals Einblick
in die realitätsnäheren CO2-Werte ausgewählter Pkw.

Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim VCD:
„Die Autohersteller schaffen auch drei Jahre nach Beginn des
Abgasskandals keine Transparenz, sondern werfen noch immer
mas-senhaft schmutzige und klimaschädliche Pkw auf den Markt. Die
Kürze der VCD Auto-Umweltliste zeigt das Versagen der Autoindustrie
im Gesundheits- und Klimaschutz sowie in der Verbraucher-information.
Die Fahrzeuge in der VCD Auto-Umweltliste setzen jedoch den Maßstab,
an den sich Autokäuferinnen und Autokäufer orientieren sollten.“

Der VCD kritisiert die deutsche Autoindustrie für ihr mangelndes
Engagement, klimaverträgliche Pkw auf den Markt zu bringen.
Elektroautos werden aufgrund des steigenden Anteils regenerativen
Stroms immer klimaschonender und durch höhere Reichweiten sowie eine
bessere Ladeinfrastruktur immer attraktiver. Eine nach wie vor
geringe Modellauswahl bei E-Autos sowie zum Teil zu lange
Lieferzeiten von bis zu zwölf Monaten bremsen jedoch deren Absatz.
Der VCD hat nur solche Elektroautos in seine Liste aufgenommen, die
eine Lieferzeit von weniger als sieben Monaten haben. Dazu gehört
auch der VW e-Golf oder der BMW i3.

Für die Umwelt schädlich sind aus Sicht des VCD die von den
Autoherstellern viel beworbenen großen E-Limousinen oder
elektrobetriebene SUVs. Sie benötigen große Batterien oder weisen in
Kombination mit Verbrennungsmotor als Plug-In-Hybrid lediglich auf
dem Papier niedrige Ver-brauchs- und CO2-Werte auf. Ein
Hoffnungsschimmer hingegen sind neue Elektroautos wir der e.GoLife.
Das Auto wurde an der Technischen Hochschule in Aachen entwickelt. Es
ist klein, leicht, kostengünstig und zukunftsfähig. Ab 2019 werden
die ersten Fahrzeuge ausgeliefert.

Wasilis von Rauch, VCD-Bundesvorsitzender: „Seit Jahren versäumt
es die deutsche Autoindustrie, in den Wettbewerb um emissionsarme und
effiziente Antriebe einzusteigen. Die Bundesregierung darf den
Klimaschutz nicht weiter Seite an Seite mit der deutschen
Autoindustrie ausbremsen. Bis zum Jahr 2050 muss der Verkehr komplett
emissionsfrei werden, damit wir unsere Klimaziele einhalten können.
Dafür brauchen wir den schnellen Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor
und aus der Kohlestromerzeugung. Klar ist auch: für den Klima- und
Gesundheitsschutz sowie die Lebensqualität in den Städten brauchen
wir deutlich weniger Pkw auf unseren Straßen als heute.“

Mehr Informationen: Die vollständige VCD Auto-Umweltliste
2018/2019 zum Download unter: http://ots.de/e9QrkZ.

Pressefotos von empfehlenswerten Fahrzeugen zum kostenfreien
Abdruck gibt es im Laufe des Tages hier:
www.vcd.org/service/presse/bildmaterial/aktionsfotos.

Der ökologische Verkehrsclub VCD ist ein gemeinnütziger
Umweltverband, der sich für eine um-weltverträgliche, sichere und
gesunde Mobilität einsetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit
seinen Bedürfnissen und Wünschen für ein mobiles Leben. Seit 1986
kämpft der VCD für ein gerechtes und zukunftsfähiges Miteinander
zwischen allen Menschen auf der Straße – egal, ob sie zu Fuß, auf dem
Rad, mit Bus und Bahn oder dem Auto unterwegs sind. Dafür arbeitet er
vor Ort mit zwölf Landesverbänden und rund 140 Kreisverbänden und
Ortsgruppen, bundesweit und europaweit vernetzt. Rund 55.000
Mitglieder, Spender und Aktivistinnen unterstützen die Arbeit des VCD
für eine zukunftsfähige Mobilität.

Pressekontakt:
Almut Gaude, VCD-Pressesprecherin – Telefon 030/280351-12 bzw.
0171-6052409 – pres-se@vcd.org – www.vcd.org – Twitter: @VCDeV

Original-Content von: VCD Verkehrsclub Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/8206/4091459