Düsseldorf (ots) –

Quelle: (ots/A.T. Kearney)

Konkurrenz aus dem Netz und veränderte Kundenwünsche sind zur
lebensbedrohlichen Herausforderung für Modefirmen geworden.

„Während der Einzelhandel in Deutschland insgesamt wächst und von
der guten konjunkturellen Lage im Land profitiert, erleben wir beim
Bekleidungssegment eine Reihe von Insolvenzen und
Restrukturierungen“, sagt Dr. Mirko Warschun, Handelsexperte und
Partner bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney. „Insbesondere
Modehändler, die nicht ausreichend intensiv in das Online-Geschäft
eingestiegen sind und die veränderten Kundenanforderungen der neuen
Generationen und den zunehmendem Wettbewerb nicht adressieren, haben
mit massiven Schwierigkeiten zu kämpfen.“

Die Handels- und Restrukturierungsexperten von A.T. Kearney haben
den Bekleidungshandel in Deutschland mit Blick auf Online, neue
Kundenbedürfnisse, allgemeine Konjunktur und Konsumentwicklungen
untersucht. Die Ergebnisse veröffentlichen sie als erste Ausgabe der
neuen Reihe „Pulsschlag Einzelhandel“, die Status quo und Trends
einzelner Handelssegmente einem „quick check“ unterzieht. Die lang
anhaltende gute Konjunktur in Deutschland bedeutet für den Handel:
wachsende private Einkommen bei gleichbleibender Sparquote und ein
jährliches Umsatzwachstum von 3,2 Prozent. Die Flächenproduktivität
wächst mit: um 2,9 Prozent pro Jahr, ebenso das Eigenkapital um
jährlich 4,5 Prozent. Die Zahl der jährlichen Insolvenzen ist um
minus 8,2 Prozent rückläufig. Von diesen Entwicklungen profitieren
laut A.T. Kearney aber nicht alle Marktteilnehmer und -segmente. Seit
den 90er Jahren geben Konsumenten immer weniger ihres Einkommens für
Lebensmittel und Bekleidung aus, mehr hingegen für Gesundheit, Sport
und Freizeit. So ist der Anteil für Bekleidung und Schuhe an den
jährlichen Konsumausgaben von 5,8 Prozent in 1994 auf 4,8 Prozent in
2018 zurückgegangen. Hinzu kommt: Ohne Online ist der
Bekleidungshandel seit 2012 jährlich um 0,4 Prozent geschrumpft.

A.T. Kearney führt diese Krise auf zwei Faktoren zurück: Zum einen
haben viele Player des Bekleidungshandels es verpasst, online
mitzuspielen. Zehn Prozent des Handelsumsatzes werden mittlerweile
online abgewickelt und reine Online-Händler wie Amazon, Zalando oder
Asos bauen ihre Marktanteile massiv aus. Zweitens haben sich die
Präferenzen der Kunden verschoben: Die Markentreue ist gesunken, die
Kunden definieren sich weniger über Besitz als über Aktivitäten und
Erfahrungen, wovon am meisten die Sportartikel mit 8,8 Prozent
Wachstum pro Jahr profitieren.

„Wichtige Umsatzanteile haben sich ins Internet verschoben, wobei
hier vor allem die reinen Online-Händler das Geschäft machen“,
erklärt Fahd Hajji, Co-Autor der Studie: „Von 2003 bis heute ist der
reine Onlinehandel um 17 Prozent gewachsen, der Bekleidungshandel im
Internet dagegen nur um zwölf Prozent.“

Die Autoren sehen besonders das mittlere Preissegment unter Druck.
„Die Polarisierung zwischen Niedrig- und Hoch-Preissegmente
verschärft sich weiter. Wachstum erleben wir im Preiseinstieg und bei
sogenannter ‚Fast Fashion‘ wie auch im Luxus-Marken-Segment. In der
Mitte wachsen nur die Kosten, nicht aber die Umsätze“, kommentiert
Warschun mit Verweis auf eine lange Liste von prominenten deutschen
Modeeinzelhändler, wie Bench, Roeckl, René Lezard und Gardeur, die
Schlagzeilen mit Zahlungsschwierigkeiten machen. „Für die Zukunft
muss der Bekleidungshandel mit weiteren Insolvenzen rechnen“,
kommentiert Co-Autor Nils Kuhlwein, Partner und
Restrukturierungsexperte bei A.T. Kearney die Befunde: „Viele sind
finanziell sehr fragil aufgestellt: steigende Zinsen oder ein zu
warmer, trockener Sommer reichen oftmals aus, um die
Bekleidungsfirmen in finanzielle Notsituationen zu manövrieren. Das
Weihnachtsgeschäft schafft hier kurze Erleichterung, verdeckt aber
nur für einen kurzen Moment die tiefe Krise.“

Über A.T. Kearney

A.T. Kearney ist eine der weltweit führenden
Unternehmensberatungen für das Top-Management und berät sowohl global
tätige Konzerne als auch führende mittelständische Unternehmen und
öffentliche Institutionen. Das Beratungsunternehmen unterstützt seine
Klienten bei der Transformation ihres Geschäftes und ihrer
Organisation, um langfristig Vorteile zu erzielen. Im Mittelpunkt
stehen dabei die Themen Wachstum und Digitalisierung, Innovation und
Nachhaltigkeit sowie die Optimierung von komplexen Pro-duktions- und
Lieferketten. A.T. Kearney wurde 1926 in Chicago gegründet. 1964
eröffnete in Düssel-dorf das erste Büro außerhalb der USA. Heute
beschäftigt A.T. Kearney rund 3.600 Mitarbeiter in über 40 Ländern
der Welt. Seit 2010 berät das Unternehmen Klienten klimaneutral.

Weitere Informationen finden Sie unter www.atkearney.de und auf
Face-book: www.facebook.com/atkearney.de

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Director Marketing & Communications
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