Kaiserslautern (ots) – Nicht nur zu Weihnachten werden Pullover,
Socken und andere Textilien immer öfter online bestellt. Rund 20
Prozent ihrer Kleidung kaufen die Deutschen im Internet. Doch zu
Hause passen viele bestellte Kleidungsstücke nicht, und so werden sie
wieder zurückgeschickt. Das verursacht den Ausstoß von Treibhausgasen
und kostet unnötig Rohstoffe. Mit dem Deutschen Institut für Textil-
und Faserforschung (Denkendorf) und dem Unternehmen Assyst (Aschheim)
will die Firma Avalution (Kaiserslautern) das ändern, indem sie eine
virtuelle Anprobe der Kleidung ermöglicht. Die Deutsche
Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt fachlich und
finanziell mit knapp 445.000 Euro. „Kleidung online zu kaufen, ist
Alltag vieler Menschen. Ist das Projekt erfolgreich, zeigt es
beispielhaft, wie durch digitale Lösungen zugleich ökologische und
ökonomische Ziele erreicht werden können. Je mehr Rücksendungen
vermieden werden, desto mehr wird auch die Umwelt entlastet“, sagt
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

25 bis 50 Prozent der online bestellten Kleidung wird
zurückgeschickt

„Jedes fünfte Kleidungsstück, das 2015 in Deutschland gekauft
wurde, haben Kunden online bestellt, Tendenz steigend. 25 bis 50
Prozent davon werden nach dem Anprobieren wieder zurückgesendet“,
erläutert Michael Stöhr, Geschäftsführer von Avalution. Häufig würden
die gleichen Kleidungsstücke in verschiedenen Größen geordert. Was
nicht passt, werde wieder zurückgeschickt. Das brauche Energie für
den Transport und Rohstoffe, da die zurückgeschickte Ware gereinigt
und neu verpackt werden müsse. Teilweise würde sie sogar direkt
vernichtet, da ein Aufarbeiten zu teuer sei, so Stöhr. Avalution will
die Zahl der Rücksendungen verringern, indem der Kunde die Kleidung
online anprobieren kann und so Auswahl-Bestellungen vermieden werden.
Dafür soll der Kunde eine digitale Kopie seines Körpers erhalten –
ein dreidimensionales Spiegelbild, in der digitalen Welt auch als
Avatar bezeichnet. An dem soll er online die Kleidungsstücke
anprobieren können und sehen, welche Größe die richtige ist und ob
das Stück zur eigenen Figur passt.

Mit wenigen Angaben zum eigenen digitalen Spiegelbild

„Wir verfügen über die weltweit größte Datenbank an menschlichen
Bodyscans. Auf dieser Datenbasis erstellen wir anhand weniger Angaben
Avatare, die der Kunde ganz einfach individuell anpassen kann“, so
Stöhr. Aufgrund der Erfahrung und Vernetzung Avalutions am Markt sei
es bei erfolgreichem Projektverlauf denkbar, dass es in einigen
Jahren eine solche Möglichkeit der digitalen Anprobe in vielen
Online-Shops gebe und damit ein erhebliches Einsparpotential bei den
Rücksendungen erreicht werde, sagt DBU-Referent Dr. Michael Schwake.
Zusätzlich werde bei dem Projekt ein Ansatz entwickelt, der dem
Kunden die Auswirkungen verschiedener Kaufentscheidungen auf die
Umwelt transparent machen soll. Auf einen Blick könne er dann sehen,
dass die Umwelt durch das Bestellen mehrerer Größen zur Auswahl
deutlich mehr belastet wird, als wenn er sich für eine Größe
entscheidet. Schwake: „So kann der Käufer ökologische Aspekte
langfristig in die eigene Entscheidung einfließen lassen.“

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