73388-10-1.OTS.jpgMainz (ots) – Ist die Realität vollständig berechenbar? Lässt sich der Mensch berechnen? Wie können Rechner zur Erzeugung neuer Realitäten und neuer Identitäten eingesetzt werden? Diese Fragen beschäftigen auch Künstlerinnen und Künstler seit der Erfindung des Computers. Nun stehen sie im Fokus einer Ausstellung, die die Kuratorinnen Lívia Nolasco-Rózsás und Teresa Retzer des ZKM, des Zentrums für Kunst und Medien in Karlsruhe, in Zusammenarbeit mit dem ZDF für die „Digitale Kunsthalle“ von ZDFkultur konzipiert haben. Zu sehen ist die virtuelle Schau „Berechenbar – Unberechenbar“ ab Freitag, 30. Oktober 2020, unter: https://digitalekunsthalle.zdf.de

Der erste funktionsfähige Computer der Welt sah aus wie eine Schrankwand und wog rund eine Tonne. Entwickelt hatte ihn der Ingenieur und Erfinder Konrad Zuse. Da es sich um Zuses dritten Versuch handelte, ein mechanisches Gehirn zu bauen, ging der 1941 präsentierte Großrechner als „Z 3“ in die Geschichte ein. Achtzehn Jahre später veröffentlichte Zuse das Buch „Rechnender Raum“, in dem er die These formulierte, dass das Universum als eine gigantische Rechenmaschine aufgefasst werden könne, als eine Kombination vieler kleiner zellulären Automaten, die gemeinsam einen großen Computer ergeben – eine Idee, mit der sich auch die neue Ausstellung bei ZDFkultur beschäftigt.

Seit es Computer gibt, sind Künstlerinnen und Künstler von der Möglichkeit einer teilautomatisierten Generierung ihrer Werke fasziniert. Erste Beispiele der Computerkunst konnten bereits in den frühen 1970er-Jahren ausgestellt werden. Seit den 1990er-Jahren hat die künstlerische Beschäftigung mit den Möglichkeiten der virtuellen Realität zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Ausstellung „Berechenbar – Unberechenbar“ präsentiert digitale Kunstwerke in einer computergenerierten Umgebung, die mittels dreidimensionaler Automatenkörper dargestellt werden. Die meisten Exponate stammen aus der Sammlung des ZKM – ebenso wie die „Z22“: Zwischen 1955 und 1957 gebaut, ist der Computer Zuse Z22 mit der Seriennummer 13 der älteste noch voll funktionsfähige und originalgetreu erhaltene Röhrenrechner der Welt.

Werke in der Ausstellung

Margit Rosen und Daniel Heiss vom ZKM haben für „Tape Mark I“ eine historische Arbeit rekonstruiert. Im Jahr 1961 entwickelte der italienische Dichter Nanni Balestrini einen Algorithmus, um Sätze und Verse anderer Autorinnen und Autoren immer neu zu kombinieren und so eine potenziell unerschöpfliche Gedichtmaschine zu erschaffen. Die Rekonstruktion zeigt ihren Output in deutscher Sprache.

Von Vladimir Bonačić stammt die 1969/1970 konzipierte interaktive Lichtskulptur „GF E 32 – NS“. Sie zeigt wechselnde visuelle Muster, deren Rhythmus die Betrachtenden einstellen können: von 0,1 bis 5 Sekunden. Bei einem Frequenzbereich von zwei Sekunden wiederholt sich das Muster in etwa 274 Jahren.

Kirsten Geisler lässt in ihrer Videoinstallation „Who Are You?“ (1996) eine filmisch reproduzierte und eine computergenerierte Version einer jungen Frau aufeinandertreffen und fragen: Wer bist du? Die Frage zielt darauf ab, dass es nicht nur eine Wirklichkeit geben kann, in der sich Realität und Abbild klar voneinander abgrenzen lassen.

Mit dem „CellularAutomataExplorer“ (2017) von Ludger Brümmer und Benjamin Miller können die Ausstellungsbesucher nicht nur eine interaktive Klanginstallation erleben, sondern auch etwas über die Simulation von Populationsentwicklungen bei Lebewesen erfahren.
Rafaël Rozendaal lädt das Publikum zu einem virtuellen Flug über eine sich unendlich ausdehnende Metropole namens „Neo Geo City“ (2014) ein. Sie besteht, wie die Neo-Geo-Malerei der 1980er-Jahre, aus bunt leuchtenden geometrischen Formen. In „Neo Geo City“ können unterschiedlich große Quader – abstrahierte Gebäude- in verschiedene Richtungen bewegt werden.

Im Video „perpetual browse_r_2“ von Sandra Crisp überlagern sich Fragmente aus Nachrichten und Dokumentationen zu dynamischen virtuellen Strukturen, einem Bilderfluss an der Schnittstelle zwischen realen und imaginären Welten.

Die interaktive „Hypercam“ von Kim Albrecht ist aus der Beschäftigung des Künstlers mit der Kommunikationssoftware Zoom entstanden: In Videokonferenzen scheinen sich Menschen in körperlose sprechende Köpfe zu verwandeln. Albrechts „Hypercam“ steigert diese verzerrte Wirklichkeit zu noch größerer Absurdität.

Der Begriff „White Cube“ bezeichnet in der Kunstwelt einen weißen, neutralen Ausstellungsraum. Im Video „White Cube“, das Adam Broomberg und Oliver Chanarin in Zusammenarbeit mit Brian O’Doherty und Guy de Lancey konzipiert haben, wird er zum Schauraum einer Fotografie, auf der ein Mordanschlag zu sehen ist, 2017 verübt in einem Museum für Zeitgenössische Kunst.

„Flick KA AI – Ein Turing-Test“ von Daniel Heiss stellt auf die Probe, ob menschliche Abbilder von computergenerierten Bildern zu unterscheiden sind. Aus Porträts von über 50.000 abgelichteten Besucherinnen und Besuchern des ZKM hat Heiss mithilfe eines Algorithmus neue, künstliche Porträts generiert, die er parallel zu originalen Bildern zeigt.

Die „Digitale Kunsthalle“ ist Teil des digitalen Kulturraums ZDFkultur. Eingebettet in die ZDFmediathek bündelt und produziert ZDFkultur Inhalte aus allen kulturellen Genres, um Nutzerinnen und Nutzern Raum für aktuelle Diskurse und neue Perspektiven zu schaffen.

Auf Anfrage steht ein Vorschaulink für die Ausstellung zur Verfügung.

Ansprechpartnerinnen:
Dr. Katharina Rudolph, rudolph.k@zdf.de; Dr. Britta Schröder,
schroeder.b@zdf.de;
Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108, pressedesk@zdf.de

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131
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Quelle:Das ZKM Karlsruhe in der „Digitalen Kunsthalle“ von ZDFkultur


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