Kooperation von jungen und etablierten Musikern

Im kommenden Jahr wird Köln um eine Musikattraktion reicher: Das Ensemble „Les Lumieres“ will mit einem anspruchsvollen Konzept musikalisch wie menschlich punkten. Angehende Profis werden hier mit erfahrenen Orchestermusikern zusammenarbeiten. Die Organisatoren versprechen sich davon nicht nur einen Wissenstransfer in Richtung Nachwuchskräfte, sondern auch neue Impulse von den jungen Musikprofis. Das Ergebnis ist ambitioniert. Ideenspender und Orchesterleiter Michel Rychlinski: „In diesem Ensemble arbeiten Profis zusammen, die Qualität wird entsprechend sein.“

Der gebürtige Franzose Rychlinski hat als Kirchenmusiker und durch mehrere Musikprojekte bereits auf sich aufmerksam gemacht. Dem neuen Ensemble will er jetzt seine volle Aufmerksamkeit und Zeit widmen. Auslöser ist ein bislang ungelöstes Problem: Junge Musikprofis sind bestens ausgebildet und hoch motiviert, finden aber als Neueinsteiger nur selten einen festen Platz in einem Orchester. In Gesprächen mit Musikern der Kölner A-Orchester und einigen bekannten Ensembles konkretisierte sich die Idee: Das neue Orchester muss so gut sein, dass die Zeit bei Les Lumieres als wichtige Referenz und als Sprungbrett genutzt werden kann. Rychlinski: „Wir wollen ganz oben mitspielen, sonst macht das Projekt keinen Sinn.“ Aus dem Mix der Erfahrungen, Impulse und Altersgruppen soll ein eigenständiges Klangerlebnis werden.

Das Orchester wird mit einer festen Besetzung von 30 Orchestermusikern und 25 Chorsängerinnen und -sängern starten – Profis wie Nachwuchskräfte. Im Moment arbeitet man an einem Mix, bei dem deutsche und französische Musiker den Schwerpunkt bilden. Diese Besetzung soll der Kern des Orchesters werden. Eine gewisse Fluktuation ist durchaus gewollt. Wenn die Newcomer eine Festanstellung bekommen, beenden sie die Zusammenarbeit. Neue Interessenten rücken nach. Interpretationen und Aufführungen können so durchaus im Laufe der Zeit ihren Charakter wechseln – je nach Orchesterzusammenstellung.

Für 2019 gibt es nach der Probenphase bereits erste gesetzte Termine. Das Auftaktkonzert wird im März stattfinden. Außerdem will man sich mit einem eigenen Programm in das Offenbach-Jahr einbringen. Für Ende 2019 ist eine erste Einspielung geplant. Programmatisch fühlt man sich den Komponisten, die sich mit ihrem Werk für Völkerverständigung und gegen Nationalismus positioniert haben – wie Ravel oder Poulenc – verpflichtet. Auch Musikern, die in Frankreich von deutschen Kollegen und Deutsche, die von französischen Kollegen beeinflusst wurden oder im jeweiligen Ausland gewirkt haben – wie Offenbach – will man sich intensiv widmen. Die Klammer ist entsprechend groß: das Repertoire wird vom Barock bis in die Gegenwart reichen.

Dass die Vorstellung des Projekts jetzt im Französischen Kulturinstitut in Köln stattfand, ist kein Zufall. Les Lumieres versteht sich als internationales Musik-Projekt, das für praktizierte Völkerverständigung steht. Rychlinski: „Die deutsch-französische Freundschaft war für Europa der Impulsgeber für einen Prozess, bei dem aus Fremden Freunde werden. Ähnlich soll es mit unserem Orchester sein, das mit einer starken deutsch-französischen Besetzung startet, sich dann aber weiter international öffnen wird.“ In Köln, wo mehr als ein Drittel der Bevölkerung ausländische Wurzeln hat und rund 180 unterschiedliche Nationalitäten leben, glaubt man einen guten Startpunkt gefunden zu haben. Die Musikhochschule, an der Studenten aus rund 50 Ländern studieren, könnte da zu einem wichtigen Partner werden. Rychlinski: „Wir leben und beweisen, dass der Mix der Kulturen funktioniert – und dass er eine eigene, hohe Qualität erzeugen kann.“ Dass ein solcher Ansatz in Köln gerne gesehen wird, demonstrierte Bürgermeister Andreas Wolter. Er moderierte die Vorstellungsveranstaltung.

Das Konzept, das die Verantwortlichen jetzt vorstellten, klingt vielversprechend – künstlerisch wie politisch. Es könnte der Musikstadt Köln eine weitere Facette hinzufügen. Jetzt müssen die Verantwortlichen liefern und mit künstlerischer Qualität punkten. Eine Herausforderung, der man sich gerne stellt, wie die Ensemble-Leitung in Köln zu verstehen gab.

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Kontakt
Ensemble Les Lumières
Michel Rychlinski
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0049-1577-37-34-387
michelr83@web.de
http://www.michel-rychlinski.eu