Die Kinder von Windermere 3 20.jpgPotsdam (ots) – Der europäische Medienwettbewerb wurde in diesem Jahr online ausgetragen. Die Abstimmung über die 14 PRIX EUROPA Awards erfolgte unter dem Motto vote@home. Alexander Wrabetz, Präsident des PRIX EUROPA und Generaldirektor des ORF, sieht in der Vergabe der Medienpreise einen Beweis der Stärke der europäischen Medienlandschaft in den Zeiten der weltweiten Corona-Pandemie: „2020 war eine große Herausforderung für uns alle, aber die Öffentlich-Rechtlichen konnten ihre herausragende Bedeutung für die europäische Gesellschaft unter Beweis stellen.“ Die virtuelle Ausrichtung des Wettbewerbs habe gut funktioniert, so Wrabetz weiter. 269 Medienschaffende aus ganz Europa haben sich an der Juryarbeit beteiligt, die Programme online gesichtet und in Videokonferenzen miteinander diskutiert. So wurde der innereuropäische Austausch trotz Digitalisierung ermöglicht.

Die hochbegehrte Auszeichnung wird in neun Kategorien an das Beste Europäische Programm des Jahres vergeben. Bester Fernsehfilm ist die ZDF-Einreichung „Die Kinder von Windermere“. Die deutsch-britische Koproduktion basiert auf der wahren Geschichte von 300 jüdischen Kindern, die den Holocaust überlebt haben und 1945 nach England gebracht wurden. Die ARD setzte sich im Bereich der digitalen Medien gegen die äußerst starke europäische Konkurrenz durch: Das Gedankenexperiment „Mal angenommen – der Zukunfts-Podcast der tagesschau“ wurde zum besten Digital Audio Project 2020 gewählt. Bestes Online-Projekt ist „A Thousand Women Murdered“ aus Spanien: Die Internetseite gibt den seit 2003 ermordeten spanischen Frauen ihr Gesicht zurück und erinnert an ihr Schicksal, um respektvolles Gedenken zu ermöglichen und Präventionsarbeit zu leisten.

Die beste Fernsehserie kommt aus Norwegen: „22 July“ erzählt in acht meisterhaften Folgen von den blutigen Anschlägen in Utøya und Oslo im Jahr 2011. Dem Mut machenden Film „One More Jump“ aus der Schweiz gebührt der Titel des besten Dokumentarfilms. Er handelt von zwei sportbegeisterten Jugendfreunden aus dem Gaza-Streifen, von denen der eine nach Italien flieht, während der andere zurückbleibt. Im investigativen Fernsehen ist – auch das überrascht nicht – Frankreich zweimal führend: Laurent Richard, 2018 als Europäischer Journalist des Jahres vom Prix Europa ausgezeichnet, ist der Produzent der besten Doku-Serie: Der Vierteiler „Green Blood“ berichtet über Ermordungen und Bedrohungen infolge journalistischer Arbeit und führt unterbrochene Nachforschungen zu Ende. Beste investigative Fernsehdokumentation ist „Rohingyas: The Crime Mechanics“, ausgestrahlt auf ARTE. Die französische Recherchemission widmet sich der Suche nach den Verantwortlichen für den Völkermord in Myanmar.

Gleich drei Preise gehen nach Schweden: Die TV-Dokumentation „Josefin und Florin“ erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem rumänischen Bettler und einer alleinerziehenden Schwedin und erhält dafür die Siegestrophäe als bester interkultureller Film. Das schwedische Radio, erwiesener Meister in der Disziplin des investigativen Journalismus, darf gleich zweimal auf das Siegespodest: Eine unter die Haut gehende Erzählung über den Schiffsuntergang der MS Estonia erreicht den ersten Platz im Bereich Radiofeature und eine weitreichende Recherche über die dunklen Geschäfte der Autoindustrie wurde zur besten Radioinvestigation gewählt.

Im Bereich des Hörspiels überzeugten Norwegen und Großbritannien: Ein norwegischer Mehrteiler, der sich äußert unterhaltsam mit dem brisanten Thema illegalen Waffenhandels auseinander setzt, wurde beste Hörspielserie und die britische Produktion „I Am Kanye West“ über einen Mann, der sich für einen amerikanischen Hiphop-Star hält, bestes Radiodrama. Dänemark darf zur Auszeichnung als beste Doku-Serie im Radio gratuliert werden: In „Blackout – the Girl in the Photo“ setzt sich eine junge Frau mit ihrer eigenen Geschichte als Opfer sexueller Gewalt auseinander. Das beste Musikprogramm kommt aus den Niederlanden: Die Podcast-Serie „Making an Opera“ begleitet sieben Nachwuchstalente aus der Opernwelt von den ersten Proben bis zur Weltpremiere, die wegen Ausbruch der Corona-Pandemie hinter geschlossenen Vorhängen stattfinden muss.

Zusätzlich wurde in ganz Europa im Internet über zwei Publikumspreise abgestimmt. Insgesamt 1719 Stimmen wurden abgegeben. Nominiert waren 16 Newcomerprojekte aus elf Ländern zum Thema stay@home. Den PRIX EUROPA Rising Star Audiopreis gewinnt die in Großbritannien lebende Italienerin Michela Mancini für einen Podcast, in dem sie den unterschiedlichen Umgang beider Länder mit dem Ausbruch der Corona-Krise verarbeitet. Der Videopreis geht an einen jungen polnischen Filmemacher, der versucht dank eines Videotagebuchs einen klaren Kopf während der Ausgangssperre zu behalten. Die beiden Nachwuchspreise werden in Zusammenarbeit mit der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf vergeben.

Der PRIX EUROPA wurde 1987 vom Europäischen Parlament, der Europäischen Kommission und der Europäischen Kulturstiftung gegründet. Heute wird er von einem Verband von 26 Partnerorganisationen getragen. Darunter befinden sich vor allem europäische Medienanstalten, allen voran der rbb sowie als Gastgeber die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg. Ziel des PRIX EUROPA ist es, in der Zeit von Fake News und alternativen Fakten die journalistische Qualität durch innereuropäischen Austausch zu stärken und Vertrauen zu stiften für ein gemeinsames, starkes Europa. Nachdem der Medienwettbewerb rund zwanzig Jahre lang in Berlin beheimatet war, findet er seit letztem Jahr in der Landeshauptstadt Potsdam statt. Alle Beteiligten hoffen, im nächsten Jahr wieder in die Stadt der Schlösser und Gärten zurückkehren zu können.

Mehr Informationen sowie eine Liste aller ausgezeichneten Produktionen auf: www.prixeuropa.eu/news (http://www.prixeuropa.eu/news)

Pressekontakt:

PRIX EUROPA Pressebüro:
Annika Erichsen
+49 (0)30 97 99 31 09 13
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Quelle:PRIX EUROPA 2020: 14 Preise in 9 Kategorien – wo überzeugen ARD und ZDF?


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