Frankfurt am Main (ots) –

Quelle: (ots/Frankfurter Kunstverein)

Vom 14. Juni bis zum 08. September 2019 präsentiert der
Frankfurter Kunstverein drei Einzelausstellungen der Künstler Yves
Netzhammer, Theo Jansen und Takayuki Todo zum Thema empathische
Systeme.

Die Ausstellung kreist um das vielschichtige Thema des emotionalen
Verhältnisses zwischen Mensch und Technologie. Kommunikationsabläufe
finden nicht mehr allein zwischen Mensch und Mensch statt, sondern
zwischen Mensch und Technologie und zunehmend tauschen digitale
Technologien Daten nur noch untereinander aus.

Netzhammer, Jansen und Todo arbeiten an den Schnittstellen von
Ingenieur- und Informatikwissenschaften mit Psychologie,
Kognitionswissenschaften, Neurowissenschaften und Ethik. Sie bringen
eine Vielfalt an technischen, künstlerischen und psychologischen
Prinzipien zusammen. Die Werke lösen im menschlichen Betrachter eine
Gefühlsebene aus, die nicht immer sprachlich greifbar wird, sondern
ein empathisches Einfühlungsvermögen anspricht. Ihre artifiziellen
Apparate werden auf unterschiedliche Art und Weise zu Spiegeln des
Betrachters, in denen der Mensch sich begegnet und sich erkennt,
manchmal in der Dopplung, manchmal in der Verzerrung.

Yves Netzhammer steht mit seinem künstlerischen Oeuvre für die
Auseinandersetzung mit zentralen Fragen des Menschseins im digitalen
Zeitalter. Er formuliert mit seinen humanoiden Figuren, die an
anatomische Gliederpuppen erinnern und gänzlich ohne individuelle
Züge und Mimik auskommen, Metaphern, die das menschliche
Gefühlspektrum in Bilder übertragen. Netzhammer bespielt drei Etagen
des Frankfurter Kunstvereins mit einer Auswahl aus seinen digitalen
Animationsfilmen, dem zeichnerischen Werk und neuen kinetischen
Installationen.

Theo Jansen schafft raumgreifende kinetische Skulpturen und
bezeichnet sie als neue Form nichtbiologischen Lebens. Er baut die
Skulpturen aus synthetischen Materialien wie Polyurethanröhren,
Kabelbindern und Plastikflaschen und konstruiert damit Wesen, die
durch Windkraft in Bewegung gesetzt werden. Dadurch entstehen
fließende, insektenhafte Bewegungen, die im Betrachter eine
unmittelbare Berührtheit auslösen. Es ist nicht ein Gesicht, es sind
nicht anthropomorphe Züge oder ein Blick, die den empathischen Bezug
zu den Wesen herstellen, sondern es sind Bewegungen im Raum.

Takayuki Todo geht mit seiner Arbeit „SEER“ der Frage nach,
welchen emotionalen Effekt Blickkontakt und Mimik bei der Interaktion
Mensch und Technologie erzeugen. Aus 3D-Druck-Modulen,
Miniaturmotoren und Gesichtserkennungssoftware hat Todo einen
anthropomorphen Kopf hergestellt, der den Blick des Betrachters
sucht, ihn erwidert und dessen Gesichtsmimik spiegelt. Die minimalen
Bewegungen stellen eine sofortige Synchronisation der Gestik und
Mimik zwischen Mensch und Humanoid her und damit verbunden im
Betrachter eine emotionale Reaktion.

Die Frage nach der Bedeutung von Emotionen und dem Blick des
Anderen gehört zu den ewig menschlichen Themen, die in der gesamten
Kulturgeschichte eine zentrale Rolle gespielt haben. Das Erkennen der
Dinge beginnt damit, sie sinnlich zu begreifen. Der Mensch erlebt und
begreift die Welt über seinen Körper, über seine Sinnesorgane und
schafft darüber seine Interpretation von Welt in Form von Kenntnis.
Der Körper ist das Medium des menschlichen In-der-Welt-Seins. Er ist
zugleich dem Ich und der Welt zugehörig, er ist Subjekt und Objekt in
einem. Mensch und Maschine unterscheiden sich jedoch wesentlich in
ihren Sensorik-Apparaten, mit denen sie Welt wahrnehmen und
verstehen.

Emotionale Signale und Zeichen kann der Mensch im Wesentlichen
allein anhand physischer Merkmale erkennen. Interdisziplinäre
Forschungsprojekte untersuchen unter dem Schlagwort „Affective
Computing“ unterschiedliche Methoden, um die menschliche emotionale
Resonanz auf digitale Agenten zu erhöhen und den vom Menschen
gefühlten Unterschied zur Technologie zu minimieren. Zahlreiche
Wirtschaftsbereiche treiben die Erforschung menschlicher
Gefühlssysteme voran, um sie für die Entwicklung maschinellen Lernens
und artifizieller Intelligenz einzusetzen.

Der Frankfurter Kunstverein hat Yves Netzhammer, Theo Jansen und
Takayuki Todo eingeladen, eine Auswahl ihrer Werke in
Einzelpräsentationen zu zeigen, für die der gemeinsame Titel
„Empathische Systeme“ eine thematische Überkategorie setzt.

Kuratorin: Franziska Nori

Die Ausstellung von Yves Netzhammer wird freundlich unterstützt
von: Pro Helvetia

Die Ausstellung von Theo Jansen wird freundlich unterstützt von:
Mondriaan Fund und Audemars Piguet

Die Ausstellung von Takayuki Todo wird freundlich unterstützt von:
Stratasys

Pressebilder stehen unter folgendem Link zum Download bereit:
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FRANKFURTER KUNSTVEREIN
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