Frankfurt (ots) – Die Kurse an den Kapitalmärkten haben nach der
EZB-Entscheidung zunächst Kurven gedreht. So schienen die Anleger
verwirrt darüber, was die Entscheidungen der Notenbank beispielsweise
für Bankaktien zu bedeuten haben. Einerseits winkt eine gewisse
Entlastung durch Freibeträge beim Strafzins, andererseits dürfte die
Neuauflage des Anleihekaufprogramms das Problem überschüssiger
Liquidität erhöhen. Mancher Bankentitel fuhr daher Berg und Tal.

Lohnenswert war der Blick auf den Goldpreis, der unmittelbar nach
Bekanntwerden der Entscheidung in die Höhe schoss. In dieser Reaktion
dürfte sich vor allem Misstrauen gegenüber der EZB ausdrücken.
Schließlich hegen mittlerweile selbst wohlwollende Beobachter Zweifel
daran, ob das eingesetzte Instrumentarium der Notenbank noch
angemessen ist – und ob es ihr damit gelingt, die
„Inflationserwartungen zu verankern“.

Bei vielen Beobachtern der Notenbankpolitik dürfte sich eher das
Gegenteil einstellen. Die Notenbank muss fürchten, dass sie mehr und
mehr die „Erwartung verankert“, dass die EZB gerade nicht mehr der
Garant für stabile Preise ist, der mit ruhiger Hand die Geldpolitik
steuert, sondern immer hektischer feuert. Das jüngste Bündel an
weitreichenden Maßnahmen sorgt daher eher für ein Gefühl der
Unsicherheit. Immer häufiger wird die Vermutung geäußert, dass die
Zinsen nicht nur einige Zeit, sondern eine Ewigkeit nahe Null
bleiben – und dass die ultralockere Geldpolitik eine unendliche
Geschichte zu werden droht.

Die Lage, in die sich die EZB manövriert hat, birgt drei schwere
Risiken. Erstens, dass die Politik des offenen Portemonnaies bereits
jetzt jede Menge Nebenwirkungen entfaltet, die vor allem die Banken
belasten. Zweitens, dass die Notenbank in Zeiten negativer Zinsen und
billionenschwerer Anleihekaufprogramme keine Pfeile mehr im Köcher
hat, um einzugreifen, falls sie im Falle einer echten
Wirtschaftskrise – und nicht bloß eines Abschwungs – dringend
gebraucht würde. Und drittens, dass mit jedem neuen Maßnahmenpaket
das Vertrauen in die Zentralbank als letzte Bastion der
Glaubwürdigkeit in schwierigen Zeiten erodiert.

Nur zur Erinnerung: In der Finanzkrise erhielt die EZB nur deshalb
eine so prominente Rolle – etwa in der Bankenaufsicht – weil niemand
mehr da war, dem die Märkte noch etwas zutrauten. Dieser Nimbus ist
in Gefahr, da den Entscheidungen im EZB-Rat mittlerweile ein Hauch
von Panik anhaftet.

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