Frankfurt (ots) – In beeindruckendem Tempo ist in den
zurückliegenden Wochen eine lange Wunschliste der Aktienmärkte
beinahe vollständig abgearbeitet worden. Die drohende Italien-Krise
ist bis auf Weiteres abgewendet worden, die Chancen, dass der Hard
Brexit vermieden werden kann, sind deutlich gestiegen, und im
Handelskonflikt gab es zuletzt sehr vielversprechende Signale einer
Entspannung. Zu guter Letzt hat schließlich die Europäische
Zentralbank mit einem umfassenden Lockerungsmaßnahmenpaket geliefert.
An den Aktienmärkten sind diese Nachrichten sehr positiv aufgenommen
worden. Seit Mitte August ist der Dax um mehr als 1000 Punkte
gestiegen.

In der Stimmungslage der Anlagestrategen hat sich all dies
allerdings nicht niedergeschlagen. Im Gegenteil: Seit Sommerbeginn
haben Finanzinstitute reihenweise auf eine Untergewichtung von
Dividendentiteln umgeschaltet, eine Welle, die bis vor kurzem
anhielt. Die insgesamt eher skeptische Haltung ist auch angebracht.
Denn das Umfeld ist auch jetzt nicht so, dass ein anhaltender
Höhenflug zu erwarten wäre. Tatsächlich wird die Luft auf den
erreichten Höhen doch merklich dünn.

Die politischen Risiken haben deutlich nachgelassen, sind aber
noch längst nicht vom Tisch. Wie das Brexit-Chaos ausgehen wird,
entzieht sich jeder Prognose, so dass die damit einhergehenden
ökonomischen Verwerfungen nach wie vor drohen. Und ob die jüngsten
Entspannungssignale Vorboten einer nachhaltigeren Lösung im
Handelskonflikt sind, ist noch unklar. Die Unsicherheit bleibt
bestehen und damit auch die dadurch bedingte, für die sich
abschwächende globale Konjunktur bedenkliche
Investitionszurückhaltung.

Überdies sind die positiven politischen Entwicklungen ebenso wie
die massive globale geldpolitische Lockerungswelle mittlerweile
zumindest ein gutes Stück weit in die Kurse eingearbeitet. Letztere
hat Dividendentitel, was die relative Bewertung bzw. den Mangel an
Anlagealternativen betrifft, in den zurückliegenden Monaten deutlich
besser gestellt.

Absolut gesehen sieht das Bild nun aber ganz anders aus. Seit
Jahresbeginn hat der Dax um 18 Prozent zugelegt, während die
Erwartungen an die Unternehmensgewinne deutlich zurückgegangen sind.
Der Konsens geht mittlerweile von einem Rückgang der Gewinne der
Dax-Unternehmen im laufenden Jahr um rund 3 Prozent aus, nachdem Ende
2018 noch ein Wachstum von etwas mehr als 10 Prozent erwartet worden
war. Im Ergebnis ist das 2019er Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dax seit
Jahresbeginn von 11 auf beileibe nicht mehr günstige 14,5 gestiegen.
Und es steht zu befürchten, dass die bald beginnende Berichtssaison
den Abwärtstrend der Gewinnprognosen nicht stoppen kann.

Allerdings werden sich die Blicke in den kommenden Wochen mehr und
mehr auf das kommende Jahr richten. Anlässlich der Vorlage der Zahlen
für das dritte Quartal werden sich die Unternehmen zu den Aussichten
des nächsten Jahres äußern und sich dabei aller Wahrscheinlichkeit
nach nicht gerade euphorisch geben. Derzeit erwartet der Konsens für
das Jahr 2020 ein Wachstum der Dax-Unternehmensgewinne von nahezu 15
Prozent. Damit ist absehbar, dass die Erwartungen für das nächste
Jahr noch deutlich nach unten geschraubt werden. Für entsprechend
wenig begeisternd halten Strategen die Aussichten des Dax im
nächsten Jahr. „Wir haben nur geringe Erwartungen an das Anlagejahr
2020“, so die DZ Bank. „Die Gewinnaussichten der deutschen
Unternehmen haben sich insbesondere infolge des Handelsstreits der
Trump-Administration mit China sowie der Sorgen rund um einen
No-Deal-Brexit eingetrübt. Es ist nicht absehbar, dass sich die
unruhige politische Gemengelage im kommenden Jahr schlagartig ändern
wird und Unternehmer wieder deutlich eifriger neue Investitionen
angehen werden.“

Noch könnte sich die Klettertour des Dax durchaus fortsetzen, etwa
durch einen Deal bzw. eine Art Waffenstillstand zwischen den USA und
China im Handelskonflikt oder eine weitere Leitzinssenkung der Fed in
der neuen Woche. Dann dürfte aber allmählich das Ende der
Fahnenstange erreicht werden.

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