Frankfurt (ots) – Die Covid-19-Krise zieht Volkswirtschaften rund um den Globus in Mitleidenschaft. Die großen Zentralbanken haben reagiert und Leitzinsen gesenkt sowie das Quantitative Easing (QE) zum Teil drastisch nach oben gefahren. Gigantische Anleihekaufprogramme stützen die Märkte. Damit wird vor allem Zeit für die Staaten gekauft, die mit enormen Konjunkturprogrammen der Wirtschaft zur Seite springen. Das muss finanziert werden. Schuldenberge werden steigen, und Rekordverschuldungen werden vermeldet werden, mancherorten sind sie schon Realität. Auch Deutschland macht in diesem Jahr hierbei keine Ausnahme, sondern wird sich über den Kapitalmarkt so viel Geld besorgen wie noch nie zuvor. Und so mancher fragt sich, ob die bislang veranschlagten Summen – auch im Falle des Bundes – reichen werden oder ob noch mal nachgelegt werden muss. Vieles hängt davon ab, ob es zu einer zweiten Viruswelle und damit zu einem nochmaligen Lockdown der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens kommen wird.

Da die Zentralbanken am Bondmarkt ein großer Käufer sind, wird wohl kaum damit zu rechnen sein, dass die Primärmärkte für Staatsanleihen auch mal geschlossen sind. Staaten kommen auch recht günstig an Geld, im historischen Vergleich sogar sehr günstig. Das gilt auch für die Eurozonenperipheriestaaten. In Italien und auch Spanien waren schon Rekordorderbücher für ein oder zwei Anleihen zu beobachten. Italien zapft nun – trotz des uneingeschränkt vorhandenen Marktzugangs bei institutionellen Investoren und keinerlei Anzeichen von Käuferstreik sowie der Aussicht auf eine noch geraume Zeit währende Unterstützung durch die Europäische Zentralbank als Bondkäufer – noch den inländischen Retailmarkt als zusätzliche Refinanzierungsquelle an, und zwar mit einer neuen Anleiheart, den sogenannten BTP Futura (BTP stellt die Bezeichnung für italienische Staatsanleihen dar).

Um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie im eigenen Land zu bekämpfen beziehungsweise die entsprechenden Maßnahmen der Regierung zu finanzieren, können italienische Privatanleger in der Zeit vom 6. bis 10. Juli die Emission des BTP Futura zeichnen, und zwar ab einem Minimum von 1.000 Euro, also eine privatanlegerfreundliche Stückelung. Nach oben gibt es bei der Anleihezeichnung verständlicherweise keine Grenze. Über das Volumen des Bonds gibt es seitens des italienischen Finanzministeriums noch keine Angaben; vermutlich werden sie angesichts des Kapitalbedarfes keine Obergrenze festlegen wollen.

Angelehnt ist das neue Papier an den Patriotenbond Italiens, den sogenannten BTP Italia, weist aber einige neue Features auf. Das Papier mit zehnjähriger Laufzeit (Fälligkeit 14. Juli 2030) lockt Anleger mit einer sogenannten Treueprämie (Loyalty Bonus). Die feste Rendite des Bond – die garantierte Minimumrendite soll am 3. Juli bekannt gegeben werden – soll nach bestimmten Zeitpunkten steigen (step-up), und zwar nach dem vierten und siebten Jahr; wer den Bond bis zur Endfälligkeit hält, bekommt dann noch eine Prämie. Das alles soll Anleger dazu motivieren, bei der Stange zu bleiben, also das Papier zu kaufen und zu halten. Es sollen mindestens 1% Prämie gezahlt werden, maximal 3%, und das Ganze wird abhängig gemacht von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, also vom Wachstum des Bruttoinlandsproduktes.

Auf welche Resonanz wird das Produkt wohl stoßen? Würde man den Bond institutionellen Anlegern anbieten, wäre angesichts der gegenwärtigen Marktverfassung sowie des Appetits der Investoren auf Anleihen aus der Eurozonenperipherie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einem Rekordorderbuch auszugehen. Denn dafür würden schon allein die Prämien sorgen, der Bond liegt damit ja deutlich im positiven Renditebereich. Vermutlich ist auch bei den Privatanlegern von einer guten Aufnahme auszugehen. Wenn es eine Pleite wird, weil die Käufer streiken, ist das sicherlich ein Alarmsignal, nicht nur für Italien.

Der Bond BTP Futura Italiens zeigt den Erfindungsreichtum, wenn es darum geht, Kapital zu mobilisieren. Und der BTP Futura ist mit Sicherheit nicht die letzte Innovation, die in Sachen Bonds im Zusammenhang mit Covid-19 auf den Markt kommt. Man darf gespannt sein, welche neuen Fixed-Income-Formen den Bondmarkt noch erreichen werden und vor allem, wer der Emittent sein wird, das heißt, wer in die Fußstapfen Italiens treten wird.

(Börsen-Zeitung, 27.06.2020)

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Quelle:Erfindungsreiche Italiener / Kommentar über phantasievolle Pandemiebonds von Kai Johannsen


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