Osnabrück (ots) – Volker Kutscher: Das Schreiben ist die
schlimmste Arbeit

Bestsellerautor: Die Zufriedenheit kommt erst später – Leser
beschweren sich über den Zigarettenkonsum in seinen Büchern –
Zeitreise in die Zwanziger nur mit Rückkehrgarantie

Osnabrück. Bestsellerautor Volker Kutscher (56), auf dessen Gereon
Rath-Romanen die Filmreihe „Babylon Berlin“ basiert, empfindet das
Schreiben seiner Bücher gelegentlich als Qual: „Die Recherche macht
mir immer sehr viel Spaß, die schlimmste Arbeit ist dann das
Schreiben“, sagte Kutscher der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Es ist
sehr anstrengend, und ich bin nie zufrieden“, fuhr der 56-Jährige
fort. „Die Zufriedenheit stellt sich erst nach und nach ein, wenn ich
den Text dann noch einmal – oder zweimal oder dreimal – bearbeitet
habe. Schreiben ist immer nur schön, wenn man fertig ist; nicht wenn
man mittendrin steckt.“

Großen Spaß hat er bei der Recherche für seine Romane, die im
Berlin der 20er Jahre spielen: „Ich nutze alles, was ich zwischen die
Finger bekomme: Bücher, Fotos, Filme, auch alte Speisekarten,
Reiseführer, U-Bahn-Pläne und so weiter. Und wenn die Vorabrecherche
abgeschlossen ist und ich weiß, der Roman wird beispielsweise in der
Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juni spielen, dann besorge ich mir die
Tageszeitungen aus diesem Zeitraum und schau sie mir von der ersten
bis zur letzten Seite ganz genau an.“

Dabei seien auch die Anzeigen für ihn interessant: „Ich weiß dann,
was zu dieser Zeit ein Pfund Butter, ein Paar Schuhe, ein Kleid oder
ein Auto gekostet haben. Man bekommt ein sehr gutes Gefühl dafür, was
den Leuten damals wichtig war und welche alltäglichen Nachrichten die
großen Weltereignisse möglicherweise überlagert haben. Mit der
Tageszeitungslektüre beginnt für mich die eigentliche Zeitreise.“

Eine tatsächliche Zeitreise in die Zwanziger würde Kutscher
allerdings nur unter einer Bedingung unternehmen: „Gäbe es eine
Zeitmaschine, würde ich mich reinsetzen, wenn ich wüsste, dass ich
auch wieder zurückkehren kann. Es ist ja eines der großen Dramen und
die Tragik einer ganzen Generation, dass die Zukunft dieser Zeit eine
furchtbare war. Wenn ich mit dem Wissen von heute in die Zwanziger
reisen würde, müsste ich ja eine Pistole mitnehmen und Hitler
erschießen. Und da weiß ich nicht, ob ich der Richtige dafür wäre.“

Immer wieder bekommt der Autor Zuschriften von Lesern, die sich
darüber beschweren, dass in seinen Romanen so viel geraucht wird:
„Aber ich kann doch nicht mit dem Blick von heute die damalige Welt
sehen und beschreiben wollen. Wenn in den frühen Dreißigern eine Frau
rauchte, war das ein selbstbewusstes Zeichen von Emanzipation. Und
ehrlich gesagt – ich habe vor 16 Jahren mit dem Rauchen aufgehört,
und da hat es mir großen Spaß gemacht, Gereon Rath an meiner Stelle
rauchen zu lassen.“

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