Düsseldorf (ots) – Deutschland läuft weiter. Viele der bundesweit wegen Corona abgesagten Vereins- und City-, Marathon- und Sponsorenläufe finden mittlerweile online statt. Doch Obacht: „Wer die Anmeldegebühr von 10 bis 50 Euro und mehr überweist, sollte sich den Veranstalter genau angucken. Denn einigen scheint weniger der Sport als der Verkauf von Funktions-Shirts und Mitmach-Medaillen am Herzen zu liegen“, warnt die Verbraucherzentrale NRW.

Auch sie sind ein Opfer des Virus: Massen von Sportbegeisterten, die gerade im Sommer und Herbst zahllose Marathons, Rad- und Laufevents absolvieren. Doch ebenso wie Angestellte sich nun im Home-Office online abstrampeln, rennen viele Teilnehmer von Bambini- oder 5000-Meter-Lauf, Dog- oder Midnight-Run virtuell weiter.

Möglich machen es Veranstalter, die im Internet das Ambiente des abgesagten Laufevents stilecht nachbauen. Das reicht von einer personalisierten Startnummer über Ergebnislisten im Internet samt Urkunde zum Download bis hin zur Spotify Playlist und Spende an eine Charity-Organisation. Auch Medaille und Erinnerungs-Shirt sind oftmals im Anmeldebetrag enthalten oder lassen sich zu moderaten Preisen dazu buchen.

Nur einen wichtigen Unterschied gibt es: Die Disziplinen werden nicht gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten unter Zeitaufsicht angegangen. Stattdessen kann „deine Haustüre die #STARTLINIE“ sein – und wahlweise auch das Ziel. Allein oder in Corona-angepassten Klein-Gruppen sollen die geforderten Kilometer gejoggt oder geradelt werden. Als Beleg für die bestandene Challenge dienen zumeist die GPS-Daten aus einer Handy-App.

Abertausende Sportler finden derzeit Gefallen an solchen Events. Viele melden sich gleich bei mehreren an. Dabei sind grundsätzlich drei Arten zu unterscheiden. Da sind zum einen Traditions- und Vereinsveranstaltungen, die über den Online-Weg den diesjährigen Ausfall überbrücken wollen. Sie stemmen ihre Ausgaben mit vielen Ehrenamtlern und Sponsoren.

Diese sind auch am Start, wenn es um sogenannte Charity-Läufe geht. Dabei fließt ein Großteil der Anmeldekosten einem wohltätigen Zweck zu.

Und dann gibt es die dritte Gruppe. Deren Geschäftsmodell nutzt den Windschatten des virtuellen Booms. Sie fokussieren sich vor allem auf die schicke Web-Präsentation selbst kreierter Billig-Medaillen und Funktions-Shirts. Die gibt es gegen eine satte Anmeldegebühr von rund 40 Euro und mehr. Wem das nicht prestigeträchtig genug ist, kann bisweilen auch Tassen, Armbänder und Medaillen-Aufhänger im angeschlossenen Onlineshop ordern – für bis zu 50 Euro das Stück zuzüglich Versandkosten.

„Eher unter ferner liefen kommen dagegen die ausgerufenen Sportevents daher“, beobachtet die Verbraucherzentrale NRW, „da finden sich mitunter gerade mal karge Aufzählungen von einer Handvoll Disziplinen samt anonymisierter Ergebnis- oder Fotostrecke.“

Die eigentliche Herausforderung für Teilnehmer scheint hier: an der ausgewählten Challenge zu scheitern. Und das ist in der Tat kaum möglich.

„Einfach ein ganz authentisches Beweisfoto schießen“, heißt etwa eine schwurbelige Vorgabe. Wer selbst das nicht schafft, kann die absolvierte Strecke auch „handschriftlich“ dokumentieren. Wie auch immer: Die Lieferung der teuer bezahlten Mitmach-Medaillen und Shirts sichert auf jeden Fall eine „wohlwollende Prüfung“.

Pressekontakt:

Georg Tryba, Tel.: 0211/3809101
georg.tryba@verbraucherzentrale.nrw

Quelle:Achtung: virtuelle Sportevents / Kampf ums teure Erinnerungsshirt


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